BFW-Editorial von David Jacob Huber
April / Mai 2018 Stellungnahme zu aktuellen Themen

David Jacob Huber, BFW-Geschäftsführer, Landesverband Niedersachsen / Bremen

Was aber ist Heimat? Wie definiert sich der Begriff Heimat? In den letzten 6 Jahrzehnten wurde das Wort Heimat im öffentlichen und politischen Sprachgebrauch eher wenig verwendet, zu groß war anscheinend die Nähe zum rechten Gedankengut. Was aber ist Heimat?

Wikipedia sagt folgendes: Der Begriff Heimat verweist zumeist auf eine Beziehung zwischen Mensch und Raum. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird er auf den Ort angewendet, in den ein Mensch hineingeboren wird und in dem die frühesten Sozialisationserlebnisse stattfinden, die zunächst Identität, Charakter, Mentalität, Einstellungen und Weltauffassungen prägen.

Der Begriff Heimat steht in einer speziellen Beziehung zum Begriff der Siedlung - dieser bezieht sich, im Gegensatz zum Wohnplatz, in der Regel auf eine sesshafte Lebensform, d. h. auf ein dauerhaftes bzw. langfristiges Sich-Niederlassen und Wohnen an einem Ort beziehungsweise in einer Region. Der Heimatbegriff befindet sich in ständiger Diskussion. (Zitat Ende).

Wenn man diese Erklärung nun auf unser tägliches Leben überträgt, dann ist Heimat der Ort, an dem wir wohnen, leben und unseren Lebensmittelpunkt haben. Was aber nicht unbedingt auch heißt, dass wir uns an diesem Ort auch wohlfühlen. In den letzten Jahren kann man vermehrt beobachten, dass viele Menschen keine Beziehung mehr zu Ihrer Heimat haben, sie fühlen sich in ihrer Umgebung nicht mehr wohl oder sind noch nicht da angekommen, wo sie nun, bedingt durch verschiedene Lebensumstände, wie Arbeit oder familiäre Umstände, wohnhaft geworden sind. Das Quartier, der Ort, in dem man lebt, wird nicht mehr als Heimat im ursprünglichen, romantischen Sinne wahrgenommen.

Die Folgen sind nicht zu übersehen: Müll wird achtlos weggeworfen und die Landschaften und Grünflächen werden genutzt aber nicht mehr gepflegt. Auch Einrichtungen, die soziale Kontakte und Nähe schaffen, bleiben vielfach unbeachtet. Vereine beklagen schon seit langem ständig sinkende Mitgliederzahlen und die Bereitschaft, ehrenamtliche Tätigkeiten im Interesse der Gemeinschaft zu übernehmen, sinkt. Dörfer, Kleinstädte, ja sogar ganze Landstriche befinden sich mittlerweile in einen Abwärtstrend, der scheinbar unumkehrbar ist.

In der heutigen Gesellschaft bindet man sich nicht mehr an seine Heimat, sondern geht dahin, wo man günstig und gut leben, wohnen und arbeiten kann. Und dennoch gibt es viele Anzeichen dafür, dass der Begriff „Heimat“ und alles, was da- zugehört, wichtig für unsere Gesellschaft ist. Nur hat sich die Heimat eben verlagert - aus den Dörfern hin zu den Oberzentren in den Regionen, von da aus weiter in die Städte und Metropolen. Heimat ist heute eben nicht mehr das Dorf mit seinen kleinen Läden, Gastwirtschaften und bäuerlichen Betrieben, Heimat ist heute vielmehr das Quartier, das Viertel in der Stadt. Heimat ist heute eben das urbane Wohnen, das Wohnen in der Stadt.

Deshalb ist es wichtiger denn je, die Städte, die Viertel und die Quartiere zu lebenswerten Bereichen zu entwickeln, zu Bereichen, in deren öffentlichen Räumen soziale Kontakte entstehen können und die mit Ihren Angeboten das Leben dort lebenswert machen. Das Quartier muss sich aus seiner grauen Eintönigkeit heraus entwickeln und mit einem reichhaltigen Angebot für das tägliche Leben sowie die Freizeit für Mieter und Eigentümer gleichermaßen aufwarten.

Wohnungsunternehmen, Bauträger, Projektentwickler und Eigentümer sind heute mehr denn je in der Pflicht, Bürgern eine neue Heimat zu geben - eine Wohnung in einem Quartier oder Stadtviertel, in denen das Leben lebenswert ist.Heimat ist da, wo der Bürger mit Stolz sagt: „Da wohne ich!“ Heimat ist da, wo der Bürger Verantwortung für sein Quartier, sein Stadtviertel übernimmt oder übernehmen will, weil er sich damit identifiziert und sich dort wohlfühlt.

So gesehen, hat die gesamte Wohnungswirtschaft im Zusammenspiel mit der Politik eine große Aufgabe, der wir uns aber stellen müssen - so oder so. Noch können wir gestalten, kreativ sein! Nutzen wir also diese Chance jetzt!

Bis dahin verbleibe ich
Ihr
David Jacob Huber
BFW-Geschäftsführer Landesverband Niedersachsen / Bremen