BFW-Editorial von David Jacob Huber
David Jacob Huber Stellungnahme zu aktuellen Themen

Die Diskussionen, sowohl in den Pausen als auch in der Talkrunde, waren sehr lebhaft und kurzweilig - für viele Teilnehmer ging die Immobliennacht erst kurz vor Mitternacht zu Ende, einige waren bis in die frühen Morgenstunden am Diskutieren und Netzwerken. Interessant waren schließlich die Ergebnisse und Erkenntnisse aus den Gesprächen und der Talkrunde: Ja, es ist klar, dass die immer strengeren Anforderungen, sowohl in energetischer als auch bautechnischer Hinsicht, die Baukosten in die Höhe treiben - aber das ist eben nur die halbe Wahrheit.

Dr.Heike Piasecki wies in ihrem engagierten Vortrag klar nach, dass auch die kommunalen Auflagen und Anforderungen die Baukosten steigen und manchmal auch scheitern lassen. Besonders die Unteren Naturschutzbehörden haben sich da hervorgetan: 10 Eidechsen oder auch nur ein Spatzenschwarm reichen aus, einen Wohnungsneubau zu verhindern. Auch Fledermäuse sind als Bauverhinderungsgründe sehr beliebt. Hierbei wird das Wohl von einigen wenigen Tieren über das Gemeinwohl gestellt und man nimmt lieber in Kauf, dass Menschen kein Obdach finden, als dass Spatzen über eine Straße fliegen müssen.

Sie glauben mir das nicht? Dann rufen Sie mich an und ich beweise es Ihnen - die Studie von Bulwiengesa für den BFW hat das klar bewiesen!. Eine andere Erkenntnis - und diese ist ebenso erschreckend - ist die Tatsache, dass besonders die Landkommunen kein oder aber zu wenig Land für den Bau von Mehrfamilien- und Mietwohnungshäuser ausweisen.

Der Grund dafür? Nun, ganz einfach. Überall dort, wo Menschen wohnen, wird Infrastruk-tur benötigt - und dazu gehören KITAS, Schulen, öffentlicher Personennahverkehr und vieles andere. Trotz der intensiven Förderungen seitens des Landes und des Bundes, scheuen sich die Kommunen vor diesen Investitionen in die Zukunft und muten ihren Bürgern dann eben einen Umzug in eine andere Kommune zu. Spannend dabei aber ist, dass genau diese Kommunen es sind, die dann in der Fol-ge sehr schnell Bauland für Industrie- und Gewerbebau ausweisen. Ich würde an dieser Stelle einfach mal die Gemeinderäte und Bürgermeister dazu anregen wollen, vorher mal nachzudenken: Wenn Unternehmen neu angesiedelt werden sollen, aber kein oder zu wenig Wohnraum vorhanden ist, geht das nach hinten los!

Ich bin mir schon im Klaren darüber, dass diese Investitionen einige Kosten verursachen - aber dafür gibt es doch auch geeignete Finanzierungsmöglichkeiten - unter anderem im Rahmen von P.P.P.-Projekten. Private Investoren suchen immer nach Möglichkeiten, sich zu engagieren und aus unserer Sicht kann dabei eine sehr gute und fruchtbare Zusammenarbeit entstehen. Die „Immobiliennacht“ war aber auch die Kulisse für eine Veränderung im Vorstand des BFW-Landesverbandes: Nach knapp 15 Jahren an der Spitze des Verbandes traf Karl-Heinz Maerzke die Entscheidung, in Zukunft etwas kürzer treten zu wollen und übergab deshalb jetzt in Bremen den Vorsitz des Landesverbandes an das langjährige Vorstandsmitglied Dirk Streicher. Ich möchte mich an dieser Stelle bei Karl-Heinz Maerzke für fast 5 Jahre vertrauensvolle Zusammenarbeit und viele konstruk-tive Gespräche bedanken. Aber der Verband verdankt ihm viel mehr und die Liste seiner Verdienste und Leistungen ist zu lang, um sie hier alle aufzuzählen. Das werden wir in einer separaten Feierstunde nachholen. Karl-Heinz Maerzke wird dem BFW-Landesverband mit seiner Erfahrung und Expertise auch weiterhin als Beirat zur Verfügung stehen.

Wie schon im Rahmen der Mitgliederversammlung im April beschlossen, trat nun Dirk Streicher, Vorstandsvorsitzender der Delta Bau AG in Hannover, an die Spitze unseres Verbandes. Er will, sagte er bei seiner Antrittsrede, die erfolgreiche Arbeit seines Vorgängers weiter fortführen und dynamisieren. Schließlich stehen viele Aufgaben an - allem voran, der intensive Dialog mit Politik und Verwaltung, um den Wohnungsneubau und die Sanierung schneller und effizienter zu gestalten. Wohnungen werden dringend gebraucht - und wir stehen bereit. Dass unsere Unternehmen viel zu leisten vermögen und auch besondere Leistungen erbringen, das hat sich am Freitag, den 4. November, in Berlin gezeigt. Auf dem Veranstaltungskalender stand die Preisverleihung des FIABCI PRIX D’EXCELLENCE 2016 im ehrwürdigen Hotel RITZ CARLTON: Über 250 Gäste aus 16 Ländern, darunter auch viele FIBACI-Landespräsidenten, die Präsidentin der FIABCI Germany Jana M. Mrowetz, der Präsident des BFW-Bundesverbandes Andreas Ibel, der Präsident des BVI, Thomas Meier, und viele weitere Persönlichkeiten aus unserer Branche waren angereist, um ganz besondere Projekte im Bereich „Wohnen und Gewerbe“ sowie einige Sonderpreise zu vergeben. Die Jury, bestehend aus national und international anerkannten Fachleuten, hatte die Aufgabe, die eingereichten Projekte nach folgenden Kriterien einer Projektentwick- lung zu bewerten:

  1. Konzept: Kernidee, Besonderheit des Projektes

  2. Architektur: Design, Funktionalität, Innovation

  3. Bauablauf: Vertrags-, Kosten-, Qualitäts- und Zeitmanagement, verwaltungstechnischer Ablauf

  4. Finanzen: Finanzierungskonzept, Wirtschaftlichkeit des fertigen Objekts

  5. Marketing: Marktpositionierung, Vermarktungsstand

  6. Nachhaltigkeit: Energiekonzept, Energieeffizienzstandard, Innovation (Energie-, Material-, Flächen- und Kosteneffizienz)

  7. Urbane Integration: städtebauliches Konzept, Quartiersentwicklung

Nun sind Sie sicher gespannt, wer denn gewonnen hat: Der FIABCI-Preis in Gold ging an das Projekt VIER in Hannover, projektiert und entwickelt sowie auch umgesetzt von Gundlach aus der Leine-Metropole. In seiner Laudatio hob BFW-Präsident Andreas Ibel die Besonderheiten des Projektes hervor: 4 Gebäude, 4 Architekten und 4 Baustile! In diesem herausragenden Projekt findet jeder Kunde „seine“ Wohnung - und das in einem von Gundlach entwickelten Quartier, dass auch stadtplanerisch ein herausragendes Projekt darstellt. Das Projekt hat so nebenbei bei der EXPO-Real auch von der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen DGNB die höchste Auszeichnung - Platin - erhalten. „Gold kommt zu Platin“, so Andreas Ibel in seiner Laudatio. Der BFW-FIABCI-Sonderpreis für bezahl-bares Wohnen wurde dieses Jahr das erste Mal verliehen. Niemand geringerer als Staatssekretär Gunther Adler übernahm die Schirmherrschaft über diesen Sonderpreis. „Bezahlbares Wohnen und Bauen ist eben nicht billig, sondern hohe Qualität preiswert hergestellt“, war die Kernaussage seiner Laudatio. Das Projekt befindet sich in Bremen und zeichnet sich durch einfache, aber ansprechende Architektur aus: Großzügig gestaltetete Lebensräume, hergestellt in serieller Bauweise, anspruchsvolle Technik und höchstmöglicher Wohnkomfort zeichnen das Projekt aus. „Starthomes“ trifft bereits seit 2013 mit dem Credo „Kaufen statt Mieten“ den Nerv der Zeit und bietet vielen DIE Alternative zur Mietwohnung. Die Reihenhäuser verbrauchen, aufgrund ihrer Achsmaße und ihrer hohen Verdich-tung, nur wenig Grundstücksfläche. Sie ermöglichen (durch ihre standardisierte Bauweise mit Betonfertigteilen, vereinheitlichte Prozesse in der Planung und die Herstellung in Serie) einen günstigen Bau sowie eine schnelle Fertigstellung.

Kostengünstig im Bau und dadurch kostengünstig im Wohnen: Das überzeugte die 12-köpfige FIABCI-Jury, so dass sie die „Starthomes“ in Arsten jetzt mit dem „Sonderpreis für bezahlbares Wohnen“ ausgezeichnet hat. Starthomes beweist: „Preiswert, heißt nicht minderwertig“, so die Begründung der Ju-ry. Wir gratulieren der Firma INTERHOMES aus Bremen zu diesem Sonderpreis.

Nach diesen freudigen Nachrichten nun wieder zu einem ernsteren Problem, dass uns in den letzten Wochen eingeholt hat: Es ist schon seit langem bekannt, das die HDCP-haltige Dämmstoffe als Sondermüll behandelt werden müssen. Aufgrund der besonderen Beschaffenheit der Dämmstoffe (auch in Verbindung mit fest verbundenen Putz- und Kleberschich-ten), kann die Entsorgung nur thermisch, also durch Verbrennung, erfolgen.

Seit 1. Oktober gelten nun aber besondere Vorschriften, die dazu führen, dass diese Kunststoffe derzeit von den Entsorgern nicht mehr angenommen werden. Nach intensiven Gesprächen mit dem für den Wohnungsbau zuständigen Ministerium wurde von dort aus mit dem für die Entsorgung zuständigen Umweltministerium Kontakt aufgenommen und erste Fortschritte erzielt.

Dazu schreibt Dr. Heinz-Ulrich Bertram aus dem Niedersächsischen Umweltministerium: „Nachdem sich die Betreiber der 3 Verbrennungsanlagen in Hannover, Hameln und Helmstedt zur Annahme der HBCD-haltigen Stoffe bereit erklärt haben, sind nur noch wenige Formalitäten abzuwickeln. Spätestens nächste Woche müssten die Entsorger im Normalbetrieb wieder annahmebereit sein.

Auch Bremen und Bremerhaven sind dem Vernehmen nach in Kürze startklar. Die Unternehmen, die HBCD-haltiges Material zu entsorgen haben, sollten ihre üblichen Entsorger ansprechen und nachfragen, ab wann die Annahme wieder erfolgen kann. Auf der Website der Niedersächsischen Gesellschaft zur Endablagerung von Sonderabfall (NGS) sind unter der Rubrik „Aktuelles“ einige Informationen direkt zum Thema eingestellt. Falls es bei einzelnen Entsor-gern weiterhin Probleme gibt, berät die NGS auch gern. Wir bitten Sie an dieser Stelle, uns über Probleme, die weiter anhalten, zu informieren, damit wir weiterhin an Lösungen mitarbeiten können.

Ein anderes Thema ist auch der demographische Wandel und seine Folgen für uns als Wohnungsunternehmen. In einer Gesellschaft, die zunehmend älter wird, wird auch mehr Augenmerk auf die besonderen Bedürfnisse der älteren Menschen zu legen sein.

Nicht immer wird ambulante oder stationäre Pflege gewünscht oder auch zu leisten sein sein. In vielen Fällen wird es schon reichen, die Wohnungen mit technischen Hilfen auszustatten.

Die IHK Osnabrück und der Verein GEWINET haben sich dem Thema gewidmet und uns als Verband um fachliche Unter-stützung gebeten, der wir gerne nachgekommen sind: In der ersten Tagung in Bramsche bei Osnabrück trafen sich über 80 Spezialisten und diskutierten darüber, wie man diese Assistenzsysteme alltagstauglich und praxisnah gestalten sollte und vor allem auch, wie sie den bedürftigen Mitbürger vermittelt werden sollen.

All das vor dem Hintergrund, dem Bürger so lange als nur irgend möglich, das selbstständige Leben in seiner Wohnung, in seinem Quartier, in seiner Stadt zu ermöglichen. In einer besonders prekären Situation sind hier die Landkommunen, denen mittlerweile einfach viele Möglichkeiten der Nahversorgung abhanden gekommen sind. Hier bedarf es innovativer Lösungen, an denen die Industrie und Dienstleister aber schon intensiv arbeiten. Die nächste Tagung wird im Januar 2017 stattfinden, die Einladungen dazu finden Sie auf der BFW-Webseite www.bfw-nb.de. Ihr

David Jacob Huber
Geschäftsführer BFW-Landesverband
Niedersachsen / Bremen