BFW-Editorial von David Jacob Huber
David Jacob Huber Stellungnahme zu aktuellen Themen

Im „Parkhotel Bremen“ kommen Ende Oktober die Mitglieder des BFW-Niedersachsen/Bremen, Förderer und Freunde des Verbandes mit anderen Experten der Bau- und Wohnungswirtschaft zusammen. (Foto: Parkhotel Bremen)

Aus meiner Sicht wird sicherlich ein Thema ganz vorne stehen - sozialer Wohnungsbau und vor allem dessen Finanzierung. Zudem wird sicher auch die Unterbringung der Migranten und deren Auswirkung auf die regionalen Märkte eine Rolle spielen.

Seit rund 18 Monaten beschäftigen wir uns nun mit diesem Thema, angefangen von der Forderung des BFW-Landesverbandes Niedersachsen/Bremen nach einem runden Tisch im April 2015, bis hin zum Integrationskongress im August diesen Jahres. Viele Gesprächsrunden und neue Ideen wurden entwickelt und besprochen.

Als zu Beginn 2016 die Flüchtlingswelle abflaute, begann man den Druck aus den Diskussionen zu nehmen, die Entscheidungen zum Bau von Übergangslösungen wurden ausgesetzt und nicht ausgeführt. Ob das richtig oder falsch war, das wird sich in den nächsten Monaten zeigen. Ich persönlich glaube, dass es langfristig falsch ist und war, die bereits konkret geplanten Maßnahmen nicht mehr auszuführen. In der ganzen Diskussion wurde allerdings auch klar aufgezeigt, dass nicht nur in den nachgefrag-ten Oberzentren und Städten bezahlbarer Wohnraum fehlt bzw. knapp ist, sondern auch in den ländlichen Regionen.

Nun kommen die Auswirkungen einer lange Jahre vernachlässigten Baupolitik zum Tragen und die Zeche zahlen junge Familien, Einelternfamilien und Bürger mit kleinem oder mittleren Einkommen. Die Politik versucht jetzt mit aller Macht dem entgegenzusteuern. In diesem Zusammenhang hat sich die Art und Weise bewährt, mit der sich die niedersächsische Landesregierung, vor allem aber Sozial- und Bauministerin Cornelia Rundt, diesem Themenkreis nähert - nämlich keine hektischen Aktionen, sondern Förderprogramme, die vor allem auf Nachhaltigkeit ausgerichtet sind.

Es wurde viel Geld - weit über 400 Millionen Euro - in die Hand genommen, um die Probleme zu lösen. Aber alle sind sich im Klaren darüber, dass dieses Geld nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist. Angesichts der historisch günstigen Darlehen, gehen die Förderungen manchmal aber auch ein wenig am eigentlichen Bedarf vorbei.

Es ist an der Zeit, dass wir wieder über Zuschüsse diskutieren und diese sehr zielgerichtet eingesetzt werden müssen, denn kein Investor hat Interesse an einem zinslosen Darlehen mit viel Bürokratieaufwand, wenn er das Geld von seiner Hausbank für unter 1 % Zinsen bekommen kann und dadurch völlig frei in seiner Entscheidung ist.

Es gilt aber auch, über eine andere Entwicklung zu sprechen: Die Bundesregierung hat eine eigene Expertenkommission zur Baukostensenkung eingesetzt. Bedauerlicher Weise sind dort überwiegend „Experten“ aus Politik und Verwaltung vertreten - die Bauwirtschaft und damit diejenigen, die wirklich Ahnung vom Bauen haben, ist unterrepräsentiert. Der BFW-Bundesverband war und ist zum Glück von Beginn dabei.

Nun geht die Diskussion über Baukostensenkung auf Landesebene weiter - das begrüßen wir als Verband sehr und wir werden sehr konstruktiv in dieser Kommission mitarbeiten.

Allerdings, solange die derzeitige EnEV und das derzeitige EEG nur weiterentwickelt werden, befürchten wir, dass es keine Verbesserungen geben wird. Wir fordern daher immer noch mit Nachdruck dazu auf, endlich diese Regelwerke neu aufzubauen und auf den Stand der aktuell technischen Entwicklung zu bringen.

Viele innovative Neuerungen, wie zum Beispiel das Heizen mit Wasser-Wärmepumpen, können nur begrenzt eingesetzt werden, obwohl sie nachweislich den Primärenergieverbrauch und den Verbrauch fossiler Brennstoffe drastisch reduzieren und so auch aktiv zum Klimaschutz beitragen. Hinweis: Der BFW-Niedersachsen/Bremen veranstaltet zu diesem Thema am 12. Oktober 2016 ein Unternehmerfrühstück.

Was mich an dieser Diskussion immer wieder erstaunt, ist die Tatsache, wie realitätsfern so manche Vertreter der öffentlichen Hand mit dieser Diskussion umgehen: Vor wenigen Tagen war ich auf einer interessanten Fachveranstaltung in Kiel und habe dort mit Erstaunen zur Kenntnis genommen, dass die öffentliche Hand eigentlich keinen Handlungsbedarf sieht.

Denn: Nach Ansicht vieler kommunaler Vertreter sind die Baukosten überhaupt nicht gestiegen. Um das zu untermauern, werden Studien zitiert, die höchst umstritten sind. Komisch nur, dass die Studie zu Baukostensteigerungen, erstellt von Bulwiengesa im Auftrag des BFW-Bayern, oder auch die Studie der „ARGE für zeitgemäßes Bauen“ in Kiel zu völlig anderen Ergebnissen kommen. Fakt ist: Der Neubau wird durch viele Regelwerke immer teurer und die Schere zwischen den von den Behörden geforderten Mieten für mit öffentlichen Mitteln geförderten Wohnungen und den notwendigen Nettokaltmieten für den wirtschaftlichen Betrieb derselben, wird immer größer.

In diesem Zusammenhang blicke ich immer wieder neidvoll nach Österreich, genauer gesagt, nach Wien: Hier betreibt man seit Jahrzehnten konsequent und strategisch eine Wohnbaupolitik, die vorbildlich ist.

Eine „Gemeindewohnung“ in Wien ist keine „Brennpunktwohnung“: Man wohnt in diesen Wohnungen gut und komfortabel, alle Wohnungen sind über das gesamte Stadtgebiet verteilt. Und Wien baut nicht nur selber, nein, man arbeitet eng und konsequent mit den Investoren und privaten Unterneh-men zusammen - und stets auf Augenhöhe. Klar, angesichts der zunehmenden Urbanisierung werden auch dort Wohnungen knapp, aber Wien hat Handlungsspielraum und nutzt diesen konsequent.

Sehr geehrte Leser, mir ist bewusst, dass es hier viele Meinungen gibt - und gerade deshalb haben wir dieses Thema zum Motto der „5. nordwestdeutschen Immobiliennacht“ gemacht. Ich lade Sie hiermit noch einmal sehr herzlich ein, am 27. Oktober 2016 nach Bremen in das „Parkhotel“ zu kommen und mit uns gemeinsam zu diskutieren, zu Netzwerken und sich mit Branchenkollegen auszutauschen. Ich freue mich auf Sie und verbleibe

Ihr David Jacob Huber
Geschäftsführer BFW-Landesverband
Niedersachsen / Bremen