Kriminologisches Forschungsinstitut (KFN)
Deutschland als Tatort für reisende Einbrecher

Die Arbeit der polizeilichen Beratungsstellen ist kostenlos und wird besonders häufig von Haus- und Wohnungseigentümern gern in Anspruch genommen, um Einbrechern die Arbeit zu erschweren.

Das KFN hat nun zu diesen beiden Tätergruppen eine aktuelle Studie vorgelegt: Die Ergebnisse belegen, dass Einbrecher aus dem Ausland nicht nur in fest organisierten Banden vorgehen. Neben den Alleintätern, gibt es vielmehr eine große Bandbreite loser Bekanntschaftsbeziehungen, aus denen heraus in wechselnder Konstellation je nach Gelegenheit Einbrüche begangen werden.

„Dabei zeigen sich Strukturen in der Bundesrepublik als relevant, insofern Täter aus dem Ausland oft schnellen Anschluss an ein (klein-)kriminelles Milieu vor Ort finden“, sagt Gina Rosa Wollinger, die Projektleiterin der Studie. Ebenso werden innerhalb Deutschlands auch häufig Möglichkeiten zum Absetzen des Diebesgutes genutzt. Eine schnelle „Beuteverwertung“ verringert für die Täter das Entdeckungsrisiko.

„Ein niedriges Entdeckungsrisiko ist für Täter aus dem Ausland ebenso wichtig, wie für deutsche Täter. Aus diesem Grund nutzen die Täter gern schlecht gesicherte Türen und Fenster, welche leicht aufzuhebeln sind oder ganz klassisch, das gekippte Fenster“, erklärt Wollinger. Die Erkenntnisse in Bezug auf wirksame Präventionsmaßnahmen decken sich somit mit der polizeilichen Empfehlungspraxis: Zusätzliche Tür- und Fenstersicherungen und die eigene Abwesenheit verbergen und Fenster beim Verlassen der Wohnung schließen, schrecken Täter ab.

Das KFN hat von April 2016 bis Mai 2017 ein Forschungsprojekt zu dem Phänomen der reisenden und zugereisten Einbruchstäter durchgeführt. Das Projekt wurde finanziert durch das Deutsche Forum Kriminalprävention (DFK), das Programm Polizeilicher Kriminalprävention der Länder und des Bundes (ProPK) sowie durch Eigenmittel des KFN.

Im Rahmen der Forschung wurden 30 Interviews mit inhaftierten Einbruchstätern geführt, die kurzzeitig nach Deutschland kamen, um Einbrüche zu begehen (sog. „reisende Täter“) und solchen, die nach kurzer Zeit nach ihrem Zuzug nach Deutschland Einbrüche begingen (sog. „zugereiste Täter“).

Bei den 30 Befragten handelte es sich um verurteilte erwachsene Täter, die mehrjährige Haftstrafen verbüßen. Die Befragungen wurden deutschlandweit in Justizvollzugsanstalten geführt.

Zum Hintergrund

Während von 2006 bis 2015 die Fallzahlen im Bereich des Wohnungseinbruchdiebstahls stark stiegen, verzeichnet die Polizeiliche Kriminalstatistik für das Jahr 2016 erstmalig seit langer Zeit einen Rückgang. Inwiefern es sich dabei wirklich um eine Trendwende handelt, wird sich erst noch in den kommenden Jahren zeigen müssen.

Konstatieren lässt sich jedoch, dass sich die Fallzahlen noch immer auf einem hohen Niveau befinden. Aufgrund der niedrigen Aufklärungsrate ist über die Täter hingegen wenig bekannt. Eine vorhergehende Studie des Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) zeigte in diesem Zusammenhang, dass es sich bei einem relevanten, wenn auch nicht überwiegenden Teil der Täter um sog. „reisende Täter“ handelt, d.h. Täter, die aus

Diese Tätergruppierung wird medial häufig aufgegriffen, verbunden mit der Annahme, es handle sich dabei um feste Banden aus Osteuropa, welche einen sehr hohen Organisationsgrad aufweisen. Wissenschaftliche Untersuchungen zu dieser besonderen Tätergruppe fehlten bislang jedoch.

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