Bundeswirtschaftsministerium schweigt - Herbert Schein (VARTA) spricht!
Exklusiv-Interview über die Zukunftsaussichten des Speichermarktes

Exklusiv in HAUS und GRUNDBESITZ: Herbert Schein, CEO der VARTA Microbattery und VARTA Storage, zur aktuellen Situation und den Zukunfsaussichten des deutschen Stromspeichermarktes.

Erleichtert kommentierte auch Carsten Körnig vom Bundesverband der Solarwirtschaft dieses Ergebnis: „Wir sind erleichtert, denn der weitere Erfolg der Energiewende ist auf den Ausbau von Speichern angewiesen. Sie sind ein Herzstück der Energiewende.“

So positiv der Hauptgeschäftsführer des Verbandes die frohe Botschaft auch bewertete, so eindringlich appellierte er aber auch an die politisch Verantwortlichen, dem Hin und Her um die Fördergelder Einhalt zu gebieten: Attraktive und vor allem auch verlässliche Rahmenbedingungen seien die wesentliche Grundvoraussetzung für den weiteren erfolgreichen Ausbau der Speichertechnologie, die für die deutsche Energiewende unverzichtbar geworden sei.

Seither ist es etwas still geworden um das Thema „Speicherförderung“. Im zuständigen Bundeswirtschaftsministerium hüllt man sich noch in Schweigen, verweist auf das kommende Frühjahr. Dann erst sollen die (neuen) Rahmenbedingungen festgelegt und veröffentlicht werden. Sieht so die eingeforderte Planungssicherheit für Investoren auf Seiten der Hersteller-Industrie aus?

Auf was können sich die Wohnungsbauunternehmen und -verwaltungen verlassen, die sich umweltfreundlich und energieeffizient an der Energiewende beteiligen wollen und bereit sind, ihren Beitrag zum Gelingen der ambitionierten Klimaschutzziele der Bundesregierung beizutragen? Und mit was kann der private Häuslebauer rechnen, der sich ebenfalls am Projekt „Energiewende“ im Rahmen seiner Möglichkeiten engagieren will?

Fragen über Fragen, die auf Beantwortung warten. Auch wenn nähere Details zum neuen Förderprogramm für Stromspeicher gegenwärtig noch nicht zu erhalten sind, scheint aber eines zumindest doch schon festzustehen - nämlich das dann (wahrscheinlich) endgültige Aus: Am 31.12.2018 soll nach aktuellem Stand das jetzt um noch einmal 3 Jahre verlängerte KfW-Programm enden!

Was bleibt, ist Verunsicherung, die trotz nachweislich überzeugender Erfolge die Branche gefährdet, weil Innovationen in einem investitions-unsicheren Klima nicht gedeihen können. So geht der positive Klimagedanke nach hinten los. Was die Politik aktuell nicht zu schaffen vermag bzw. vielleicht auch nicht wirklich will, nämlich mehr Transparenz und Verbraucherfreundlichkeit in die Debatte zu bringen, will HAUS und GRUNDBESITZ nachstehend versuchen. Dazu befragten wir exklusiv jetzt einen der führenden Köpfe aus dem Bereich der Stromspeicher-Industrie:

Herbert Schein, CEO der VARTA Microbattery und der VARTA Storage aus dem bayerischen Nördlingen, stand uns freundlicherweise dazu Rede und Antwort.

HuG: Aus dem Bundeswirtschaftsministerium sind derzeit nur sehr nebulöse Äußerungen über die Ausgestaltung des für Frühjahr/Sommer angekündigten neuen Förderprogramms für Stromspeicheranlagen zu vernehmen. Wissen Sie als Verantwortlicher eines der führenden Branchenunternehmen hierzu mehr? Welche Details sind Ihnen eventuell schon bekannt?

Schein: Wir sind in den wichtigs-ten Verbänden aktiv und vernetzt, um mitzugestalten und frühzeitig informiert zu sein. Das BMWi ist seit der Ankündigung der Verlängerung der Förderung sehr zurückhaltend und gibt derzeit keine Information zu den Planungen zum Förderprogramm. Wann das Programm weitergeführt wird und in welcher Form ist auch uns aktuell nicht bekannt.

HuG: Was raten Sie interessierten Immobilieneigentümern, die als private Selbstnutzer oder aber als Vermieter im Mehrfamilienhausbereich auf umweltfreundliche und nachhaltige Technologien, wie beispielsweise die Fotovoltaik in Verbindung mit Speichertechnologie, setzen wollen, in der „Wartezeit“ auf das neue Programm?

Schein: Energiespeicherung ist bereits heute wirtschaftlich attraktiv: Die Preise für den VARTA element haben wir zum 01. Dezember 2015 um bis zu 20 Prozent gesenkt. Die seit September laufende äußerst erfolgreiche Einführung des neuen Energiespeichers hat spürbare Effizienzsteigerungen in der Produktion zur Folge und ermöglicht eine solide Preissenkung. Damit setzen wir ein Zeichen und sorgen dafür, dass die Batteriespeicher auch ohne Förderung für den Endverbraucher hoch interessant bleiben.

Dennoch: Es gibt aktuell verschiedene Förderprogramme in den Ländern, die weiterhin nutzbar sind.

So fördert zum Beispiel das 10.000-Häuser-Programm in Bayern netzdienliche Photovoltaik-Speichersysteme mit Energiemanagementsystem - wie auch alle VARTA-Speicher - mit 2.000 bis 8.000 Euro. Hausbesitzer erhalten bei einer maximalen Netzeinspeisung von 50 Prozent der installierten Leistung mit einem elektrischen Speicher 6.000 Euro Förderung. Dadurch kann ein Speicher fast geschenkt installiert werden. Es gibt also keinen Grund, mit der Energiespeicher-Investition zu warten.

HuG: Wissen Sie, ob bis zum Inkrafttreten des neuen Förderprogramms noch die alten, bis Ende 2015 geltenden Förderbedingungen und -konditionen gelten oder haben diese mit dem offiziellen Auslaufen des „KfW-275“ auch endgültig ihre Gültigkeit verloren?

Schein: Das KfW-Programm 275 endete mit Antragsstellung zum 31.12.2015. Ein neues Förderprogramm wird sicherlich neue Bedingungen und Konditionen beinhalten, die aktuell noch nicht kommuniziert sind. HuG: Worin sehen Sie die elementare Aufgabe der modernen Speichertechnologie für die energetische Zukunft unseres Landes und warum ist die Energiewende nach Meinung vieler Experten nur mit ihr erfolgreich zu schaffen?

Schein: Stromspeicher sind das Thema der Stunde. Um die Energiewende im eigenen Land zu schaffen, kommen wir an der modernen Speichertechnologie nicht vorbei. Energiespeicherung wird dazu beitragen, das Stromnetz zu stabilisieren, den Stromleitungsausbau zu vermindern und den CO2-Ausstoß zu reduzieren.

HuG: Wie konnte es der Indus-trie gelingen, die Produktionskosten für Stromspeicher binnen kürzester Zeit um bis zu 25 Prozent zu reduzieren und wie erklärt sich die steigende Nachfrage nach solchen Geräten, obwohl fast gleichzeitig die Zahl der neu installierten bzw. technisch modernisierten PV-Anlagen auch nicht annähernd mithalten konnte?

Schein: Grundsätzlich erklärt sich die steigende Nachfrage durch eine immer stärker greifende Aufklärung der Verbraucher und das gestiegene Verlangen nach Unabhängigkeit von der Strompreisentwicklung. Dazu kommt das Bewusstsein, technisch ausgereifte Lösungen zu einem attraktiven Preis, unterstützt durch unterschiedliche Förderprogramme, am Markt zu bekommen. Diese steigende Nachfrage der Verbraucher hat dann natürlich auch für uns Hersteller Auswirkung auf die Effizienz in der Produktion und die erzielbaren Preise fürs Material, was in der Summe dann auch zu noch attraktiveren Angeboten für den Konsumenten führt.

HuG: Welchen Nutzen bietet der aktuelle Run auf die Stromspeicher dem einzelnen Hauseigentümer bzw. dessen Mietern und inwieweit profitiert auch die Allgemeinheit von dieser Entwicklung? Schein: Für einen Hauseigentümer oder Mieter steht die Unabhängigkeit von steigenden Strompreisen im Vordergrund und der Wunsch nach einer zuverlässigen und nachhaltigen Energieversorgung, die auf seine Bedürfnisse zugeschnitten ist. Durch eine flächendeckende, dezentrale Energiespeicherung kann ein kostenintensiver Ausbau der Stromnetze verhindert werden.

HuG: Lassen sich mit den aktuelle am Markt existenten Batteriespeichern die Stromkosten der privaten Haushalte tatsächlich effektiv reduzieren und wenn ja, um etwa wie viel Prozent? Oder aber sind die modernen Stromspeicher ausschließlich für Großverbraucher, also im Wesentlichen Industrie, Handel und Handwerk von Vorteil?

Schein: Für PV-Anlagenbesitzer wird ein höherer Eigenverbrauch wirtschaftlich immer sinnvoller: Die Preise für Strom sind in den letzten Jahren drastisch gestiegen. Daher lohnt es sich, den selbst weit günstiger produzierten Strom auch zu einem bestmöglichen Anteil selbst zu verbrauchen. Der Eigenverbrauchsanteil liegt in der Regel unter 20 Prozent. Mit den neuen VARTA Energiespeichersystemen lässt sich dieser auf 70 Prozent und mehr erhöhen. Damit sind die VARTA-Energiespeichersysteme nicht nur gut für die Umwelt, sondern auch für den Geldbeutel. Auch für den gewerblichen Bereich werden Energiespeicher immer interessanter: So entwi-ckelten wir einen Speicher, der skalierbar ab 25kWh bis in den Megawattbereich das Gewerbe, Industrie, Handwerk, aber auch Stadtwerke versorgen kann. So haben wir zum Beispiel Ende 2015 in Haag bei München den ersten Großspeicher installiert, mit 200 Kilowattstunden Kapazität und 250 Kilowatt Leistung.

HuG: Macht es Sinn, den überproduzierten, also nicht selbst an Ort und Stelle verbrauchten Strom, aus der Solaranlage auch zum Heizen zu verwenden (zum Beispiel mittels einer Wärmepumpe) oder empfiehlt sich, die Abgabe an das öffentliche Leitungsnetz?

Schein: Generell ist es sinnvoll, selbst produzierte Energie auch selbst zu verbrauchen. Strom in Energiespeichern ist jederzeit frei verwendbar und individuell einsetzbar - unterschiedlichste Verbraucher im Haushalt können mit Energie gespeist werden - auch die Wärmepumpen. Wenn nur eine Wärmepumpe zum Einsatz kommt, wird die überschüssige Energie lediglich zum Heizen verwendet. Durch ein gutes Energiemanagementsystem wie in unseren VARTA-Energiespeichersystemen kann ein optimaler Nutzen aus der überschüssigen Energie gezogen werden.

HuG: Was erwarten Sie sich als VARTA Storage von der künftigen Entwicklung des Stromspeichermarktes und wie stellen Sie sich als einer der Marktführer mit Ihrer Produktpalette da-rauf ein?

Schein: Das Marktpotential in Deutschland ist sehr groß, wenn man bedenkt, dass 500.000 installierte PV-Anlagen mit stationären Speichern ausgestattet werden könnten. Ab den Jahren 2023/24 wird, aufgrund vieler dann endender Stromverträge, ein weiterer Sprung nach oben erwartet. Institute, wie der EuPD, erwarteten letztes Jahr eine Steigerung des stationären Speichermarkts um 66% gegenüber dem Vorjahr. Diese Zahl wurde jedoch dann von Seiten EuPD auf 13% angepasst. Die Zahlen entsprechen in etwa unseren Erwartungen, jedoch zeigt diese Korrektur auch, dass im Markt weiterhin große Bewegung ist und wir uns am Start zu einem Zukunftsmarkt befinden. Die VARTA Storage ist mit seinem Produktportfolio auf die weiteren Entwicklungen des Speichermarkts gut gerüstet. Mit den Energiespeichersystemen VARTA family und home bieten wir qualitativ sehr hochwertige Produkte für die Eigenheimbesitzer an, die individuell und schnell in kleinsten Kapazitätsschritten auf die Bedürfnisse unserer Kunden zugeschnitten werden können. Mit unserem VARTA element, den wir 2015 zur Intersolar erstmalig vorgestellt haben, bieten wir den perfekten Speicher für Einsteiger an, die Wert auf Qualität, Zuverlässigkeit und Design legen. Mit der Speicherung in Containergrößen bieten wir auch Gewerbe, landwirtschaftlichen Betrieben und selbst Stadtwerken hochwertige Produkte mit den bekannt zuverlässigen Attributen der Marke VARTA.

HuG: Immer mehr Hersteller, da-runter auch bekannte Heizungsbauunternehmen und die Energieversorger selbst, entdecken den Stromspeichermarkt für sich als neues Agitationsfeld und zunehmend lukrativen Markt. Da-runter sind aber auch mehrere kleine „No-name-Unternehmen“, die einen Leistungsnachweis ihrer Produkte über einen länger währenden Zeitraum noch schuldig geblieben sind. Sehen Sie in der gegenwärtigen Zunahme der Marktakteure eine potenzielle Gefahr - auch in technischer Hinsicht - oder eher eine Bereichung des Marktes, die zu neuen Innovationen anregt und die vorhandenen Player zu weiteren Produktverbesserungen anspornt?

Schein: Die Marke VARTA steht seit mehr als 125 Jahren für Qualität, Innovation und Zuverlässigkeit. Wir setzen deshalb in unserer Produktion im bayerischen Nördlingen ohne Ausnahme auf modernste Technologie, bewährte Verfahren und unser hochqualifiziertes Personal. Kontinuierliche Kontrollen während der Produktion, Ausgangsprüfungen und Langzeittests garantieren ein professionelles Qualitätsmanagement. Die VARTA-Energiespeichersysteme sind durch ihr mehrstufiges Sicherheitskonzept besonders zuverlässig. Wir orientieren und erfüllen umfassend die Sicherheitscheckliste für Lithium-Ionen-Heimspeicher des KIT (Karlsruher Institut für Technologie). Wir treten mit einer großen Forschungs- und Entwicklungsmannschaft an, um mit unseren Produkten immer einen Schritt voraus zu sein.

HuG: Sehr geehrter Herr Schein, wir danken Ihnen für das Gespräch und die informativen und sehr aufschlussreichen Ausführungen.

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