Deutlicher Anstieg der Baugenehmigungszahlen
Falsches Spiel mit schönen Zahlen löst das Problem nicht

„Für den Wohnungsbau haben Baugenehmigungszahlen eine geringe Aussagekraft“, erklärt Ibel. „Hier bleiben viele Fragen offen: Wird am richtigen Ort gebaut, wann kommen die Wohnungen auf den Markt? In welchem Segment wird überwiegend gebaut?“

So ist der stärkste Anstieg der Baugenehmigungen mit rund 174 Prozent für Wohnungen in Wohnheimen zu verzeichnen (12.400 genehmigte Wohnungen). Zu dieser Kategorie zählen u.a. auch Flüchtlingsunterkünfte, die vorerst nicht für andere Wohnungssuchende auf dem Markt zur Verfügung stehen.

Werden diese nicht eingerechnet, liegt der Anstieg der Baugenehmigungen in neuen Wohngebäuden bei lediglich 22,5 Prozent.

„Darüber hinaus vergehen nach der Genehmigung durchschnittlich 2 Jahre, bis die fertig gebauten Wohnungen auf dem Markt sind - zu einem Zeitpunkt, an dem dort der volle Effekt der Zuwanderung spürbar wird“, ergänzt Ibel.

Viel aussagekräftiger als die Baugenehmigungszahlen, sind die Baufertigstellungszahlen, die stets geringer sind. Schließlich werden bei weitem nicht alle genehmigten Wohnungen auch tatsächlich fertiggestellt. So stieg die Zahl der fertiggestellten Wohnungen in 2015 um nur ein Prozent im Vergleich zum Vorjahr und lag mit 248.000 Wohnungen noch weit unter dem tatsächlichen Neubaubedarf von jährlich 400.000.

Der wichtigste Faktor für den deutlichen Anstieg der Baugenehmigungszahlen im ersten Halbjahr 2016 ist der sogenannte „Vorzieheffekt“ durch die Einführung der neuen Energieeinsparverordnung (EnEV) 2016. Dabei verwies der BFW-Präsident auf Informationen durch die Mitgliedsunternehmen des Verbandes, die insgesamt für mindestens 50 Prozent des gesamten Wohnungsbaus in Deutschland zuständig sind.

Demnach wurden noch vielfach die alten Regelungen der EnEV 2014 genutzt, bevor die Verschärfung im Januar diesen Jahres in Kraft trat und sich die Baukosten damit einhergehend um rund 7 Prozent erhöht haben.

Da hierbei immer das Datum des Bauantrages gilt, haben viele Unternehmen den Antrag noch Ende des letzten Jahres gestellt. Die Genehmigungen sind entsprechend in den ersten Monaten dieses Jahres erfolgt, obwohl der tatsächliche Baubeginn oftmals noch ungewiss ist.

„Das aktuelle Niveau bei den Baugenehmigungszahlen wird nicht zu halten sein, sollten sich die politischen Rahmenbedingungen nicht schleunigst verbessern“, so Ibel.

„Die Politik darf kein falsches Spiel mit schönen Zahlen treiben, die für die tatsächliche Situation auf dem Wohnungsmarkt nur bedingt Aussagekraft haben. Das wäre verantwortungslos gegenüber allen, die ein neues Dach über dem Kopf suchen.“

Diesem Personenkreis sei zum Beispiel mit einer schnellen und unbürokratischen Umsetzung der Empfehlungen der Baukostensenkungskommission deutlich mehr geholfen, ergänzt Ibel. „Vor allem sollten sich die politisch Verantwortlichen jetzt zusammensetzen und die Maßnahmen anpacken, die im „Bündnis für bezahlbares Wohnen und Bauen“ bereits beschlossen wurden.“