6. nordwestdeutsche Immobiliennacht
Heute die Grundsteine für die „Zukunft des Wohnens“ legen

Dirk Streicher, Vorstandsvorsitzender des BFW-Niedersachsen/Bremen, freute sich über die rege Beteiligung an der Immobiliennacht. (Foto: Niklas Krug)

Stefanie Nöthel, Abteilungsleiterin Städtebau und Wohnen im Niedersächsischen Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung, verwies darauf, dass eine Stadt der Zukunft eine Stadt sei, in der alle leben können. Umso wichtiger sei es daher den Sozialen Wohnungsbau weiter voranzutreiben, gleichzeitig aber auch Themen, wie Barrierefreiheit und Klimaschutz nicht außer Acht zu lassen. Mit Blick auf die Integration sei insbesondere die Quartiersentwicklung ein bedeutsames Zukunftsthema der Stadtentwicklung.

Jens Deutschendorf, Staatsrat beim Senator für Umwelt, Bau und Verkehr in Bremen, der erst vor wenigen Monaten das neue Amt übernommen hatte, hob hervor, den Fokus nicht nur auf den Neubau, sondern insbesondere auch auf den Bestandsbau zu legen und auch die Sanierung weiter voranzutreiben.

Zukunft aktiv mitgestalten

Welche Einflüsse bei der Zukunft des Wohnens eine Rolle spielen, stellte Christiane Varga vom Zukunftsinstitut Wien heraus. Die Zukunftsforscherin identifizierte verschiedene Megatrends: Dazu zählt z.B. die Individualisierung, die eine neue Form der Wir-Kultur und damit neue Wohnkonzepte auf den Plan rufe. Mit Blick auf die zunehmende Digitalisierung beinhalte Smart Living eine soziale, architektonische und ästhetische Intelligenz. Doch jeder Megatrend erzeuge auch einen Gegentrend und so müsse die Branche stärker in „Sowohl-als-auch“-Lösungen denken, als nach dem Prinzip „entweder/ oder“ zu agieren. Voraussetzung dafür sei es, die Bedürfnisse der Zielgruppen zu kennen: „Zukunft findet heute statt und sie ist am besten vorhersehbar, wenn man sie aktiv mitgestaltet“, so Vargas Botschaft an die Wohnungsunternehmen.

Keine Zukunftsmusik mehr

Wieviel Zukunft in der Projektentwicklung von heute stecken kann, stellte Dr. Reiner Götzen, Geschäftsführender Gesellschafter der Interboden Gruppe aus Ratingen, anschaulich unter Beweis. Um die stark steigende Nachfrage nach kostengünstigem Wohnraum zu bedienen, nutzt das Unternehmen beispielsweise einen Konfigurator mit vorgegebenen Auswahlmöglichkeiten, der das Angebot an individuellen Sonderwünschen reduziert.

Mit Blick auf das Thema „Baukosten“ verwies er daher auch darauf, nach weiteren Lösungen zu suchen, die die Prozesse optimieren und den modularen sowie seriellen Wohnungsbau vorantreiben. Götzen machte deutlich, dass es nicht die eine, sondern viele Zukünfte gäbe und es immer auch um die Frage geht, für welche Zielgruppe Angebote geschaffen werden.

So erfordert das Thema „Alternative Mobilitätsformen“ durch die steigende Anzahl an E-Bikes heute schon zumindest in Großstädten ein Umdenken bei der Planung von Stellplätzen. Aber auch durch die Digitalisierung habe sich sehr viel verändert und eröffne Wohnungsunternehmen neue Möglichkeiten: Für ihn seien gelungene Quartiers-Netzwerke eine echte Kombination aus digitalen, kommunikativen und sozialen Angeboten.

Umgesetzt in die Praxis, nutzt das Unter- nehmen dazu eine App - auf dieser Platt- form können die Bewohner von der Verwaltung der Wohnung, über die Steuerung des eigenen Smart Homes, bis hin zur Kommunikation mit dem Vermieter oder Nachbarn unterschiedliche Dienste in Anspruch nehmen. Aber auch Angebote, wie zum Beispiel Wäsche- und Reinigungsservice oder Paketdienst, gehören zur neuen Form des Wohnens. „Auf Wiedersehen Familie Mustermann“

Es gibt nicht den einen Trend. In Zeiten des gesellschaftlichen Wandels und der zunehmenden Digitalisierung hat Familie Mustermann ausgedient. Demnach ist die Wohnungswirtschaft gefordert, den sich wandelnden Ansprüchen nachzukommen. Dass das Thema „Zukunft des Wohnens“ einen besonders hohen Stellenwert innerhalb der Branche einnimmt, zeigten die Ergebnisse der aktuellen BFW-Umfrage „Zukunft des Wohnens“, die im Rahmen einer Talkrunde vorgestellt und diskutiert wurden.

Nicht zuletzt ging es dabei auch um die politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen: Allen voran wurde der Ruf nach ausreichendem und preisgünstigem Bau- land laut, aber auch spürbar schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren, das Ordnungsrecht und die Bezahlbarkeit vieler Maßnahmen wurden thematisiert. Mit Blick auf die Baulandpolitik gab Professorin Dr. Iris Reuther, Bremer Senatsbaudirektorin, an: „Gerade die großen Standorte sind meist kompliziert, wenn sie als Wohnstandorte weiterentwickelt werden sollen. Wir würden hier nicht sitzen, wenn es einfach wäre.“

Umso wichtiger sei es deshalb, weitere Flächen gemeinsam zu entwickeln, um neue Standorte und Quartiere zu schaffen, denn „Wohnen ist nicht nur eine Wohnung“, so Reuther. Um Wohntrends in Teilen auch kostengünstig realisieren zu können, verwies Götzen zum Abschluss auf verschiedene Förderinstrumente. Auch wenn er dafür das Land Nordrhein-Westfalen als Beispiel nannte, so lohne es sich zu prüfen, inwiefern die verschiedenen Programme den Wohnungsbau begünstigen können.

„Wohnen der Zukunft“ ist angekommen

Am Ende der Diskussion stand fest: „Das Thema „Wohnen der Zukunft“ ist in der Gegenwart angekommen“, wie Moderatorin und Pressesprecherin des BFW-Bundesverbandes Marion Hoppen zusammenfasste. Die verschiedenen Beispiele zeigten auf, dass heute bereits für die Zukunft gebaut werden kann. Während die Wohnungswirtschaft aufgefordert ist, weitere Lösungen zu schaffen, um Wohntrends der Zukunft für den Endkunden bezahlbar und in der Breite zu realisieren, muss die Politik weiter auf stabile Rahmenbedingungen hinwirken und Vorschriften mit Augenmaß erlassen.

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