Experten diskutieren beim BID-Jahresempfang
Neue Wege beim Klimaschutz - Wohnen muss bezahlbar bleiben

BFW-Präsident und BID-Vorsitzender Andreas Ibel sieht neue Chancen für das „Bündnis für bezahlbares Wohnen und Bauen“.

Wie erfolgreich man sein könne, wenn man gemeinsam an einem Strang ziehe, habe sich schließlich erst kürzlich bei der Verabschiedung der Baugesetzbuch-Novelle gezeigt, so Ibel.

In ihrer Rede zum BID-Jahresauftakt dankte Bundesbauministerin Dr. Barbara Hendricks jetzt für die bisherige Zusammenarbeit und würdigte den großen Beitrag, den die Immobilienbranche bislang zum Klimaschutz geleistet habe.

Bauen und Klimaschutz könnten selbstverständlich nur Hand in Hand gehen. Immer müsse auch die Wirtschaftlichkeit dabei im Auge behalten werden, damit bezahlbarer Wohnraum entstehen könne. Deshalb gelte es nun, gemeinsam tragfähige und pragmatische Lösungen zu erarbeiten.

Iris Gleicke, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium, betonte: „Wer Klimaschutz ohne Rücksicht auf die soziale Balance in unserer Gesellschaft durchziehen will, gefährdet den sozialen Frieden und die Akzeptanz der Energiewende.

Wir müssen wieder mehr Wohnungen bauen, aber wir müssen sie auch zu verträglichen Kosten bauen. Wir wollen auch keinen Zielkonflikt zwischen unseren Klimaschutzzielen im Gebäudesektor und unserem Anspruch, dass Bauen und Wohnen bezahlbar bleibt.“ Deshalb müsse die Wirtschaftlichkeit im Energieeinsparrecht die Messlatte unseres Handelns sein.“

Die Präsidenten der BID-Mitgliedsverbände übergaben Bauministerin Hendricks ein Gutachten, in welchem die Auswirkungen von verschärften energetischen Vorgaben für Mieter, Eigentümer und Bauherren analysiert werden.

Das Ergebnis sei alarmierend, so Andreas Ibel: „Mit dem KFW 55-Standard verteuern sich die Gestehungskosten um 10 Prozent und die Nutzungskosten pro Quadratmeter und Monat um rund einen Euro. Es wird also richtig teuer - auch für Mieter mit kleinem Geldbeutel. Die Ziele der Energiewende rücken so in weite Ferne!“

Auch die umwelt-ökonomische Bilanz von verschärften Vorgaben sei verheerend, so Ibel weiter: Während sich die Kosten pro eingesparter Tonne CO2 für die Industrie auf lediglich 5 bis 8 Euro belaufen, sind es im Gebäudebereich bis zu 1.100 Euro pro Tonne.

„Die Energieeinsparung im Gebäudesektor ist also um ein Vielfaches teurer als in anderen Sektoren. Hier lässt sich der Bedarf von mehr bezahlbarem Wohnraum nicht mit den ehrgeizigen Klimaschutzzielen vereinbaren. Verlierer sind all jene, die auf den bezahlbaren Wohnraum angewiesen sind!“

Deshalb sei es unabdingbar, neue Wege und Lösungen für bezahlbaren Klimaschutz zu suchen, so der BID-Vorsitzende. Dieser Weg könne nur über mehr Freiräume, Technologie-Offenheit und permanentes Weiterentwickeln führen.

Die Innovationskraft der gesamten Branche dürfe deshalb nicht durch restriktive Vorgaben und immer engere Rahmenbedingungen erstickt werden.

Dementsprechend setzt sich die BID dafür ein, den in der nächsten Legislaturperiode geplanten Niedrigstenergie-Gebäude-standard für private Bauten auf Basis der EnEV 2016 zu definieren. Eine neue Verschärfung der Auflagen würde Bauen und Wohnen weiter verteuern.

Weitere Informationen erhalten Sie hier.