„Smart City - Smart Home“
Perspektiven und Entwicklungen der Branche

Mitglieder des BFW-Landesvorstandes Niedersachsen / Bremen mit Geschäftsführung des diesjährigen Hannover-Forums. (Foto: Niklas Krug)

Automatische Erkennung von aktiven Herden und diverse „smarte“ Kleinigkeiten, die gerade im Bereich von Seniorenwohnungen schon immer häufiger eingesetzt werden - was Stefanie Brinkmann-Gerdes von der GSG OLDENBURG noch als provinziell empfindet, hebt Streicher schon als deutlich mehr als den Standard hervor. Mit Beispielen unter anderem aus Singapur und Saudi-Arabien gab Marc Schmidt, Berater für Digitale Transformation der Immobilienwirtschaft und zugleich Moderator der Veranstaltung, einen visionären Ausblick auf das Thema.

Doch smarte Maßnahmen einer Stadt, wie beispielsweise die sensorische Straßenbeleuchtung, eine intelligente Müllentsorgung oder auch selbstgesteuerte Sprinkleranlagen, sind seiner Auffassung nach auch hierzulande keine „Raketenwissenschaft“ mehr. Mitglieder des BFW-Landesvorstandes Niedersachsen / Bremen mit Geschäftsführung vor den Stellwänden (mit den BFW-Partnerunter- nehmen) des diesjährigen Hannover-Forums. Daher ist es Schmidt zufolge nur noch eine Frage der Zeit, wann diese umgesetzt würden:

„Mit Blick auf diese Entwicklungen werden Daten immer mehr zum neuen Rohstoff für urbanes Leben und eine vernetzte Gesellschaft. Eine barrierefreie Kommunikation der Systeme sollte das Ziel sein, damit keine Insellösungen entstehen“, so Schmidt.

Von visionären Perspektiven bis hin zum realen Praxisbeispiel

Das Nachmittagsprogramm des diesjährigen BFW-Landesverbandstags spannte dementsprechend einen Bogen von „Smart Cities“, über „Smart Buildings“, bis hin zu einem bodenständigen Praxisbeispiel aus Oldenburg, das anschaulich verdeutlichte, wie sehr die mittelständische Immobilienwirtschaft schon heute mit diesen Anforderungen umgehen kann. Dr. Helge Plath, Geschäftsführer von Drees & Sommer Advanced Building Technologies, betonte, dass es in den letzten 20 Jahren beim Bauen viel um sparen, reduzieren und vermeiden ging:

„Das nachhaltigste Gebäude wäre dementsprechend eins, das nie gebaut würde. Es gilt jedoch positive Gebäude zu schaffen. Nicht immer noch mehr Effizienz um jeden Preis, sondern mit Intelligenz zu mehr Effektivität. Wenn wir uns trauen, Gebäude und die damit verbundenen Prozesse neu zu denken - nämlich in Stoffkreisläufen und neuen Geschäftsmodellen, dann lösen wir damit viele Probleme und erreichen mehr Qualität, mehr Gesundheit, höhere Flexibilität, weniger Ressourcenverbrauch und - bei längerfristiger Betrachtung - sogar Wirtschaftlichkeit. Die aktuelle Entwicklung der Digitalisierung trägt entscheidend hierzu bei.“

Brinkmann-Gerdes stellte das Leuchtturmprojekt der GSG OLDENBURG vor: Eine knapp 4 Hektar große Fläche wird in den kommenden 5 Jahren zu einem energetischen Nachbarschaftsquartier mit mehr als 100 Wohneinheiten in Bestand und Neubau entwickelt. Dadurch, dass in diesem Projekt auch Bestandsbauten smart umgebaut werden sollen, können die sich bewährenden Konzepte im Anschluss auf bestehende Gebäude angewendet und nicht nur im Neubau realisiert werden:

„Es gilt, erstmal anzufangen, dadurch auch andere zu aktivieren und voneinander zu lernen“. Dem stimmt auch Dr. Frank Eretge, Geschäftsführer der Gundlach Bau und Immobilien GmbH, uneingeschränkt zu: „Wir sind alle klein und auf Kooperationen angewiesen. Wir alle müssen noch umdenken, was die Digitalisierung anbetrifft und sind noch nicht so weit, dass wir alleine den großen Wurf machen können.“

Branche teilweise noch in „Lauerstellung“

Die Teilnehmer zeigten sich bei diesem Thema in Teilen noch zurückhaltend. Dies wurde durch Aussagen aus dem Publikum deutlich, nach denen die rasanten Entwicklungen in der Branche von einigen erst einmal noch beobachtet werden, um nicht zu früh in „smarte Maßnahmen“ zu investieren. Dr. Eretge berichtete von seinen Praxiserfahrungen: „Die innovativen Datenleitungen werden bei unseren Objekten schon mal gelegt, mal schauen, was wir daraus machen. Ich habe heute auf jeden Fall nichts gehört, auf das ich keine Lust hätte, es umzusetzen“.

Politisch gesehen noch Luft nach oben

Einig war sich die Branche in jedem Fall darin, dass die derzeit „größte Hürde“ die langsamen Prozesse innerhalb eines Bauprojektes sind. Dr. Nikolaos Oikonomidis, Key Account Manager Smart Cities bei der Robert Bosch GmbH, fasste entsprechend zusammen: „Da hat die Politik auf jeden Fall noch Verbesserungspotenzial, um die Prozesse zu optimieren.“ Auch Andreas Ibel, Präsident des BFW-Bundesverbandes aus Berlin, wies auf die Hürden hin, die durch die Politik an die Immobilien- und Wohnungswirtschaft herangetragen werden: „In 171 Tagen ohne Bundesregierung haben wir alle eins sicher nicht vermisst - die Mietpreisbremse, neue Brandschutzverordnungen und die vielen weiteren neuen Vorschriften, die den Neubau immer wieder hemmen und die niemand mehr versteht.“

In diesem Sinne forderte Ibel von der Politik, weniger Ankündigungen und Diskussionen, sondern mehr Unterstützung für die Branche, damit Bauprojekte einfacher umgesetzt werden können. Dass die Zahlen der Neubauten zurück gehen, zeigen auch die Ergebnisse des BFW- Neubauradars: „Nicht zuletzt liegt das auch daran, dass die Prozesse immer langsamer werden“, betonte Ibel.

BFW als Sprachrohr zwischen Branche und Politik

Frank Doods, seit Ende 2017 Staatssekretär im niedersächsischen Ministerium für Umwelt, Bau und Energie und damit verhältnismäßig jung im neuen Amt, war bereits zum zweiten Mal Gast beim BFW. Er lobte den Verband als kritisch und zugleich fordernd, aber auch sehr konstruktiv und dankte im Namen des niedersächsischen Bauministeriums für die gute Zusammenarbeit. Mit Blick auf das Veranstaltungsthema führte er an: „Die Entwicklungen zu Smart City - Smart Home sind besonders spannend. Durch die zunehmende Digitalisierung entstehen für alle beteiligten Akteure neue Herausforderungen und nicht alle Unternehmen sind gleichermaßen auf diese Entwicklungen eingestellt“. Entsprechende Technologien würden immer wieder neue Aufgaben mit sich bringen, die es gelte, gemeinsam anzunehmen, um die neuen Wege beschreiten zu können.

Gemeinsam Unbewegliches bewegen

Insgesamt lässt sich festhalten, dass Themen, wie z.B. die vermehrte Schaffung von günstigem Bauland sowie die gesteigerte Komplexität aller Prozesse die Branche bereits seit Jahren beschäftigen. „Das sind Themen, die wurden bereits auf dem 1. Hannover-Forum vor 36 Jahren besprochen“, betonte Streicher. „Wichtig ist nach wie vor, dass die Branche nicht zum Stillstand kommt und wir weiterhin gemeinsam ‚Unbewegliches bewegen‘.“ Um aber auch weiterhin gemeinsam etwas zu bewegen, wurden in den am Vormittag stattfindenden Panels zu den Themen „Smart Systems“, „Smart Buildings“, „Immobilienmanagement“ und „Human Resources“ verschiedene Fragestellungen aufgegriffen, die die mittelständische Wohnungs- und Immobilienwirtschaft derzeit beschäftigen.