„5. nordwestdeutsche Immobiliennacht“
„Praxiserprobte Rezepte liegen vor“

Der neue Vorstandsvorsitzende des BFW-Landesverbandes Niedersachsen/Bremen Dirk Streicher im Gespräch mit seinem Vorgänger Karl-Heinz Maerzke.

„Wir möchten bauen! Und praxiserprobte Rezepte liegen vor.“ Mit diesen Worten leitete Dirk Streicher, der an diesem Abend das Amt als Vorstandsvorsitzender des Landesverbands übernommen hatte (siehe Bericht an anderer Stelle in dieser Ausgabe), inhaltlich in die Veranstaltung ein.

Dass sich diese Aussage noch im Laufe des Abends mehr als bewahrheiten sollte, zeigten neben den Impulsvorträgen, auch die in der Talkrunde vorgestellten Lösungsansätze und Ideen.

„Hohe Beschäftigungsquoten, vorhandenes Eigenkapital und gute Finanzierungsbedingungen: Die Zeiten, um zu bauen, sind hervorragend. Aber wir müssen mit einem neu-en Reihenhaus oder einer Eigentumswohnung auch nicht bis zum Mars fliegen können“, betonte Streicher und zielte damit auf die sich stetig verschärfenden technischen Anforderungen an Immobilien ab.

Jede neu gebaute Wohnung entspannt den Markt - egal, ob frei finanziert oder gefördert. „Also“, so Streicher weiter, „lassen Sie uns bauen. Fordern und fördern auf beiden Seiten lautet dabei der Grundsatz“, hob der Immobilienexperte hervor und richtete diesen Appell sowohl an die eigene Branche, als auch an die Politik.

Den Aspekt der bedarfsgerechten Wohnraumschaffung beleuchtete anschließend Diplom-Geograph Thomas Abraham, wissenschaftlicher Mitarbeiter der empirica.

Anhand der von der NBank veröffentlichten Bevölkerungsprognose zeigte er auf, dass Niedersachsen bis 2035 aller Voraussicht nach schrumpfen wird.

Dabei wird die erwartete Entwicklung sehr unterschiedlich sein: Während die Regionen Hannover, Braunschweig, Wolfsburg und Osnabrück und die sogenannten niedersächsischen Speckgürtel um Hamburg und Bremen wachsen, verliert der ländliche Raum Einwohner - mit Ausnahme des westlichen Niedersachsens.

Auf die Frage, was Kommunen und Wohnungsmarkt-Akteure tun können, um dieser Entwicklung entgegenzusteuern, hob Abraham hervor, sich an den Bedürfnissen der Zielgruppen zu orientieren:

Ob jüngere Generationen, Familien oder Ältere - die zu entwickelnden Angebote müssten in Anlehnung an eben diese Wohnpräferenzen entwickelt werden.

Um für die Zukunft nutzerorientierte Wohnräume zu schaffen, ist die jeweilige Betrachtung immer auch ein Zusammenspiel aus Standort, das heißt dem Wohnumfeld, sowie dem Gebäude beziehungsweise der Wohnung.

Ob Baurechtschaffung, Stellplatzsatzungen oder ökologischer Ausgleich - wie vor allem kommunale Auflagen die Baukosten in die Höhe treiben können, zeigte eindrucksvoll Dr. Heike Piasecki, Prokuristin und Niederlassungsleiterin der bulwiengesa/München.

Dafür zog die Wirtschafts- und Sozialgeographin die Ergebnisse einer Studie aus Bayern heran, in der explizit Kostentreiber mit direktem Bezug zu den Vorgaben von Bund, Ländern und Kommunen anhand von 43 Wohnprojekten untersucht wurden.

Dass die Fallbeispiele der Studie leider keine bayerische Eigenart, sondern auch in Niedersachsen und Bremen anzutreffen sind, zeigten die Reaktionen der Zuhörer, die nickend den Ausführungen zustimmten.

Doch keineswegs ging es nur darum, den Blick auf die gesetzlichen Vorgaben zu rich-ten und diese anzumahnen. Auch die Wohnungswirtschaft ist gefordert, Behörden und Kommunen durch Verlässlichkeit zu unterstützen.

Ziel der Studie sowie auch des Vortrages war es, ein beiderseitiges Verständnis zum Thema „Kommunale Forderungen und Kostensteigerung in der Wohnungswirtschaft“ zu erarbeiten und dafür alle Seiten zu sensibilisieren. Die Lösung zur Bewältigung der aktuellen Herausforderungen liegt laut Dr. Piasecki vor allem im kooperativen Miteinander.

Nicht nur zielgruppengerecht und bezahl-bar, auch der Anspruch an Nachhaltigkeit wird an Wohnimmobilien gestellt. Doch kann Wohnraum schnell, effizient und dazu auch noch langlebig realisiert werden? Und ist eine serielle und modulare Bauweise der Schlüssel für beständige Wohnimmobilien?

Mit diesen Fragen setzte sich Dr. Ronald Rast, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau, im dritten Impulsvortrag auseinander:

Mit seinem kurzen Rückblick auf die Entwicklung des deutschen Wohnungsbaus seit den 70er Jahren zeigte sich, dass sich das modulare Bauen in der Praxis bereits vielfach bewährt hat.

Am Ende wurde deutlich, dass das serielle Bauen, insbesondere im niedrigen und mittleren Preissegment, viele Vorteile bietet: So verwies der Diplom-Ingenieur beispielsweise auf die eintretenden Skaleneffekte: „Wer schon einmal Ikea-Schränke zusammengebaut hat, der weiß, welche Steigerung zwischen der ersten und der vierten Schublade liegen.“ Und den klassischen Einwänden, dass serielles Bauen eine gewisse Monotonie im Stadtbild hervorrufe, begegnete er mit verschiedenen Praxisbeispielen, die durch individuelle Nuancen architektonisch ansprechend gelöst wurden.

„Heute schon für morgen bauen“ - lautete der Titel der einstündigen Talkrunde: Neben den Impulsrednern selbst, nahmen als Vertreter der Wohnungswirtschaft Dirk Streicher, Vorstandsvorsitzender der Delta Bau, und Sven-Thomas Munte, Geschäftsführer der Munte Immobilien, teil.

Der Austausch war rege, die Themen viel-fältig und es wurden konstruktive Lösungsansätze vorgeschlagen und diskutiert: Von Landflucht, über Antragsdschungel und bürokratische Hürden, bis hin zur Digitalisierung der Bauwirtschaft erstreckte sich die Diskussion.

Am Ende der Talkrunde wurde besonders eines deutlich: Die deutsche Wohnungswirtschaft kann preiswert und auch nachhaltig bauen. Um jedoch den dringend erforderlichen Wohnraum zu schaffen, braucht es Planungssicherheit. Und diese kann nur erreicht werden, wenn alle „Stakeholder“ gemeinsam an den Lösungen arbeiten und ih-re Ideen einbringen.

„Zusammenarbeit und Dialog sind die wesentlichen Schlüssel für erfolgreiche Wohnraumschaffung“, wie Moderator und Immobilienjournalist Friedhelm Feldhaus die Talkrunde zusammenfasste.

Für den BFW-Niedersachsen/Bremen sind die aufgeführten Beispiele und Ideen, aber auch die noch einmal deutlich gemachten Hindernisse bei der Wohnraumschaffung, wertvolle Ergebnisse für die weitere Verbandsarbeit.

Der Landesverband wird die verschiedenen Anregungen und Aspekte in Kürze in einem Arbeitspapier aufarbeiten und diese als Grundlage für die weitere Zusammenarbeit mit Politik und Verwaltung, aber auch mit den eigenen Mitgliedern, nutzen.

Nach Information und Diskussion trat Comedy-Jongleur Joram Seewi in Aktion, der den fachlichen Abend mit seiner Immo-Business-Jonglage auflockerte. Dabei stellte er sein Können eindrucksvoll unter Beweis und erheiterte das Publikum. Bei stimmungsvoller Musik des André-Rabini-Sextetts nutzten die Gäste im Anschluss die Gelegenheit zum Netzwerken bis spät in die Nacht.

Weitere Informationen erhalten Sie hier.