Baugenehmigungen im Abwärtstrend
„Rückgang der Zahlen war leider zu erwarten“

Für BFD-Präsident Andreas Ibel kam der Rückgang der Baugenehmigungszahlen keineswegs überraschend. [Foto: BFW]

Im ersten Halbjahr 2016 war noch ein Anstieg von knapp 22 Prozent (verglichen mit den Zahlen von Januar bis Juni 2015) verzeichnet worden. Die Zahl der Baugenehmigungen von Neubauwohnungen in Wohngebäuden ist im ersten Halbjahr 2017 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 4,9 Prozent gesunken. In dieser Sparte hatte der Anstieg im ersten Halbjahr 2016 noch bei knapp 20 Prozent gelegen (verglichen mit Januar bis Juni 2015).

In seiner Analyse der rückläufigen Baugenehmigungszahlen verweist der BFW-Präsident auf 3 zentrale Faktoren:

Nach Rückmeldung der BFW-Mitgliedsunternehmen hatten zahlreiche Unternehmen ihre Baugenehmigungsanträge Ende 2015 gestellt, um noch die alten Regelungen der EnEV 2014 nutzen zu können.

Hintergrund: Die Regelungen der verschärften EnEV 2016, die am 1. Januar des Vorjahres in Kraft traten, haben die Baukosten um 7 Prozent in die Höhe getrieben. Durch diesen Vorzieh-Effekt stiegen die Baugenehmigungszahlen Anfang und Mitte 2016 kurzfristig an, obwohl der tatsächliche Baubeginn für viele dieser Projekte zu diesem Zeitpunkt noch ungewiss war.

„Bei der Bewertung von Baugenehmigungszahlen muss zudem differenziert werden, in welchem Segment sich der Anstieg überwiegend vollzieht“, so Ibel weiter.

Vor dem Hintergrund des Flüchtlingszuzugs stiegen die Baugenehmigungszahlen im ersten Halbjahr 2016 bei Wohnungen in Wohnheimen um 174 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Hierbei handelte es sich jedoch zu einem großen Teil um Flüchtlingsunterkünfte, die anderen Wohnungssuchenden auf dem freien Markt vorerst nicht zur Verfügung stehen.

Diese Zahlen sind im ersten Halbjahr 2017 um 32 Prozent zurückgegangen und wirken sich entsprechend auf das Gesamtergebnis aus.

Als dritten, zentralen Faktor für die rückläufigen Baugenehmigungszahlen nennt Ibel die derzeitigen politischen Rahmenbedingungen für den Neubau. Dabei verwies der BFW-Präsident auf die aktuelle Konjunkturumfrage unter den BFW-Mitgliedsunternehmen, die für rund 50 Prozent des Wohnungsneubaus in Deutschland zuständig sind.

„60 Prozent aller Befragten haben festgestellt, dass sich die Rahmenbedingungen für den Neubau im vergangenen Jahr weiter verschlechtert haben. Als Gründe nennen die Unternehmen den Baulandmangel, die administrativen Hürden und bauordnungsrechtliche Kostentreiber.“ Die Finanzierung, insbesondere das niedrige Zinsumfeld, ist laut den Befragten der einzig wirkliche Aspekt unter den Rahmenbedingungen, der Investitionen in den erforderlichen Neubau unterstützt.

„Ohne entsprechende Impulse für bessere politische Rahmenbedingungen ist ein echter, nachhaltiger Anstieg der Baugenehmigungs- und Baufertigstellungszahlen nicht zu erwarten“, resümierte BFW-Präsident Ibel.

„Um eine Trendwende zu schaffen, müssen Bund, Länder und Kommunen ein ganzes Bündel an Maßnahmen umsetzen: Grundstücken sollten nicht mehr nach Höchstpreisen, sondern nach Konzept-Qualität mit bundesweit einheitlichen Kriterien vergeben werden, damit keine Investorengruppe benachteiligt wird. Das Planungs- und Genehmigungsverfahren muss dringend vereinfacht und beschleunigt werden. Zudem brauchen wir endlich einen Stopp bei der Steuerspirale und wirksame Maßnahmen zur Senkung der Baukosten“, machte Andreas Ibel deutlich.

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