BFW-Editorial von David Jacob Huber
Stellungnahme zu aktuellen Themen

BFW-Geschäftsführer David Jacob Huber vom Landesverband Niedersachsen / Bremen.

Der Ruf nach bezahlbaren Wohnraum wird immer lauter - aber, was ist bezahlbarer Wohnraum? Warum ist Wohnraum kaum mehr bezahlbar? Wer finanziert denn den bezahlbaren Wohnraum?

Manchmal, wenn man so an Tagungen der Wohnungswirtschaft teilnimmt, dann habe ich das Gefühl, dass Deutschland, eines der reichsten Länder in Europa, nur mehr aus Menschen besteht, die sich Wohnraum nicht mehr leisten können.

Dann möchte ich dazwischenrufen: „Fordert doch auch mal bezahlbare Autos!“ Im Jahr 2005 hat ein Neuwagen durchschnittlich 22.793 Euro gekostet, nur 10 Jahre später lag der Durchschnittspreis bei 28.153 Euro - wohlgemerkt, bei gleicher Ausstattung (Quelle: Focus online).

Die Nettokaltmieten im Bestand sind im selben Zeitraum in Hannover von durchschnittlich 5,70 Euro auf 6,06 Euro gestiegen (mittlere Wohngröße, mittlere Wohnlage, mittlere Ausstattung). Das ist weit unter der Inflationsrate - die Nettokaltmieten sind daher real gesunken.

Was gestiegen ist, das sind die Mietnebenkosten: Grundsteuer, Wassergebühren, Abwassergebühren, Wärme und Strom - die-se Kosten sind gestiegen, die finden Sie aber in der Nebenkostenabrechnung. Der Vermieter hat von dem Anstieg der Mietnebenkosten nichts - außer viel Arbeit.

Fazit: Unsere Gesellschaft akzeptiert ohne Weiteres die Preissteigerungen für Autos sowie die Preissteigerungen für staatlich oder kommunal verursachte Kosten, nur die Nettokaltmieten, die dürfen nicht steigen.

Gleichzeitig fordert die Gesellschaft aber, dass die Miethäuser und Mietwohnungen auf den technischen Stand der Zeit sind, will aber dafür nicht bezahlen. Wie soll da ein Investor noch Lust bekommen, neu zu investieren? Zumal im Neubau die Herstellungskosten geradezu explodieren.

Die Auflagen und Normen werden immer strenger, die Forderungen der zukünftigen Mieter immer höher. Frei nach dem Motto: Hoher Komfort, barrierefrei, energieeffizient, moderne Architektur und Ausstattung - aber kosten darf das alles nichts.

Dies ist und kann aber nicht der richtige Weg sein. Unsere Mitglieder sind diejenigen, die Wohnungen bauen - in Hannover rund 70 % der Neubauten, in Bremen so-gar über 80%.

In der Hansestadt wurden sogar die Wohnungen an der „Marcuskaje“ im Stadtteil „Überseestadt“, die von der GEWOBA als Sozialwohnungen bewirtschaftet werden, von einem Mitglied des BFW-Niedersachsen/Bremen erbaut. Und auch der FIABCI-Sonderpreis für bezahlbares Wohnen erging jetzt an ein BFW-Mitglied, die Interhomes AG.

Es geht vieles und wir bemühen uns, unserer sozialen Verantwortung gerechtzuwerden, aber es geht eben auch nicht alles. Unsere Unternehmen beschäftigen derzeit direkt rund 4.000 Mitarbeiter, indirekt sind es sogar weit über 10.000 Menschen, die in und mit der privaten Wohnungswirtschaft ihren Lohn verdienen.

Im Jahr 2016 haben die BFW-Mitgliedsunternehmen in Niedersachsen und Bremen rund 4.300 Wohneinheiten in allen Bereichen fertiggestellt und übergeben, dazu haben die Betriebe rund 35.000 Wohnungen verwaltet.

Wir sind ständig bemüht, Mittel und Wege zu finden, um die Herstellungskosten im Mietwohnungsbau zu senken, ohne die Qualität zu vermindern. Wir wollen nicht auf Kosten der Qualität billig bauen. Unsere Kunden sollen lange Zeit eine gute Wohnung bewohnen können!

Was aber unternehmen wir konkret, um die Kosten zu senken? Wir arbeiten auf der Bundes- als auch auf Landesebene daran, eine Baukostensenkungskommission einzurichten bzw. diese zum Erfolg zu führen.

Aber wenn sich dann in so einer Kommission 50 Fachleute treffen und nur einer dabei ist, der tatsächlich schon mal am Bau Stein auf Stein geschichtet hat, dann wird es halt schwer. Diese Kommissionen wer-den leider immer mehr zum Tummelplatz von Wissenschaftlern und Lobbyisten, die ihre Produkte am Markt platzieren wollen.

Wir vom BFW sind deshalb auch auf die Industrie zugegangen und appellieren dabei an die Vernunft aller Beteiligten - und statt immer mehr Technik und Normen aufzustellen, eine Harmonisierung der Normen anzustreben.

Im Neubau finden manchmal sonderbare Dinge statt: Der Bauträger stellt ein Haus her, das luftdicht ist und eine hervorragende Wärmedämmung besitzt. Gleichzeitig entspricht das Haus dann aber auch den Anforderungen an den Schallschutz.

Dann liest er die Normen und Regelwerke zur Lüftung, greift zum Kernbohrgerät und bohrt Löcher mit 20 cm Durchmesser in das Mauerwerk und setzt dort Ventilatoren ein. So hat er die Mindestlüftung hergestellt, doch der Schallschutz ist dann oft nicht mehr ausreichend und er hat auch keine Chance mehr, dies normengerecht umzusetzen. Baumängel sind also quasi per Gesetz vorgeschrieben.

Nun noch kurz zu der politischen Lage in Deutschland und die möglichen Folgen für die Wohnungswirtschaft und ihre Kunden:

Im Herbst finden die Bundestagswahlen statt. Wenn man den Prognosen glauben darf, wird es nach der Wahl schwer, eine neue Regierung, die anders aussieht als die Regierung heute, zu bilden.

Allerdings könnte die neue Bundesregierung unter der Führung der SPD stehen und das wiederum würde bedeuten, dass die Gängelei und Regulierung zum Nachteil der Mieter weiter verschärft wird.

Das Mietgesetz könnte dann noch einmal novelliert werden, die staatlichen Eingriffe in die Mietpreise noch massiver werden. Das wiederum würde bedeuten, dass sich noch weniger Investoren finden, die bereit sind, in den öffentlich geförderten Wohnbau zu investieren.

Natürlich wird die Regierung dann gegensteuern und noch mehr Steuermilliarden in die Förderungen pumpen - zum Nachteil aller Steuerzahler und vor allem derjenigen, die Eigentum besitzen. Grundsteuern werden steigen, ebenso die Grunderwerbsteuern und viele andere kommunal und staatlich verursachte Nebenkosten.

Sollten die Grünen wieder an der Regierung beteiligt werden, wird die Folge sein, dass Umweltauflagen noch stärker werden und der gemeine Hamster auf der Wiese nebenan mehr Wert und Bedeutung haben wird als eine Wohnung für eine allein erziehende Mutter. Über eine Regierungsbeteiligung der Linken mag ich gar nicht nachdenken.

Egal, wie es ausgehen wird, ich bin mir sicher, dass es nicht leichter werden wird. Wenn dann die Bundesregierung erst einmal gewählt ist, wird in Niedersachsen der kürzeste Wahlkampf aller Zeiten beginnen, denn im Januar wird der Landtag in Hannover neu gewählt.

Mit Sicherheit werden die Ergebnisse der Bundestagswahl auch die Niedersachsenwahl beeinflussen. Es wird spannend werden.

Der BFW, so die derzeitige Meinung, wird keine Wahlempfehlung abgeben, aber wir werden allen demokratischen Parteien, die zur Wahl stehen, unsere Fragen stellen und deren Antworten hier kommunizieren.

David Jacob Huber
Geschäftsführer BFW-Landesverband
Niedersachsen / Bremen