Ein Passivhaus-Fan zeigt - es geht noch effizienter!
Tage des Passivhauses“ laden zu Besichtigungen ein

Ulrike und Arno Kahle sind begeisterte Anhänger des Passivhauswohnens und haben sich ihren Traum von den eigenen 4 Wänden im „zero:e-Park“ in Hannover-Wettbergen erfüllt. (Foto: Janko Woltersmann)

Passivhäuser stehen für höchsten Wohnkomfort bei niedrigstem Energieverbrauch. Hierzu tragen wesentlich die kompakte Bauweise, der hohe Dämmstandard und die Nutzung erneuerbarer Energieträger bei. Wer sich also für ein Passivhaus entscheidet, leistet somit auch einen großen Beitrag zum Klimaschutz.

Doch manchem reicht das noch nicht: Arno Kahle, Hausbesitzer im „zero:e-Park“, setzt alles daran, sein Passivhaus noch zu optimieren. Er möchte das Optimum aus den verschiedenen Komponenten der Haustechnik zur regenerativen, dezentralen Strom- und Wärmeversorgung herausholen.

Mit Passivhaus Wohntraum erfüllt

Den Bauträger hat er daher veranlasst, eine Technikausstattung für sein Haus bereitzustellen, die über die Standardausstattung eines Passivhauses hinausgeht. Denn der Elektroingenieur mit solidem Grundwissen in Klimatechnik und beruflichen Erfahrungen in der Einzelraumregelung hatte bereits ein Haus aus den 60er Jahren energetisch modernisiert und wusste daher genau, was ihm wichtig ist.

„Energie zu sparen stand bei uns schon immer ganz obenan. Nach dem modernisierten Haus und einer Zwischenstation in einer Wohnung in Linden wollten wir uns nach Auszug der Söhne unseren Wohntraum erfüllen. Ich bin einfach ein Fan von Passivhäusern“, sagt er.

Kurz vor Toresschluss konnte Ehepaar Kahle noch eine Doppelhaushälfte im „zero:e-Park“ ergattern. Seit gut einem Jahr wohnen sie in ihrem neuen Haus. Und die Begeisterung hält an. Darum sind sie auch zum zweiten Mal bereits bei den Passivhaustagen auskunftsfreudig dabei.

Arno Kahle belässt es nicht dabei, den neuen Wohnkomfort zu genießen, er arbeitet intensiv daran, die Energieeffizienz immer noch zu steigern und damit den Ausstoß von CO2 zu minimieren. Darum guckt der IT-Fachmann der Strom- und Wärmeversorgung im Haus ständig „auf die Finger“ - das heißt, er misst die Daten, um das Betriebsverhalten aller beteiligten Komponenten zu bewerten und es am Ende optimieren und automatisieren zu können.

Strom erzeugt bei Kahles eine Photovoltaik (PV)-Anlage mit 26 Modulen und einer Spitzenleistung von 7,2 Kilowatt (kW) in bester Süd- und Westausrichtung. Tagsüber nicht benötigter Strom wird für den nächtlichen Bedarf in einem Batteriespeicher (4 kWh) gespeichert.

Die Wärmeversorgung besteht aus einer Luft-Wasser-Wärmepumpe (4,3 kW thermisch), einem Trinkwasserspeicher (235 Liter) und einem 400-Liter-Pufferspeicher, der im Winter die Heizung unterstützt und demnächst auch im Sommer als Kältepuffer fungieren soll.

Die Fußbodenheizung sowie eine Zu- und Abluftanlage mit Wärmerückgewinnung sind die weiteren Komponenten.

Dass das Zusammenspiel von Strom- und Wärmeerzeugern samt Speichermedien noch besser funktionieren kann, davon ist Arno Kahle überzeugt. Im Blick hat er Lade- und Entladezeiten, die Temperaturen der Speicher und der Fußbodenheizung, deren Höhe er (noch) von Hand regelt - je nach Jahreszeit und Wettervorhersagen. Selbst die Betriebsphasen der Haushaltsgeräte werden mit dem Angebot an Solarstrom abgestimmt.

Und nicht zuletzt gilt es den Verbrauch von Hilfsstrom aufzudecken und zu minimieren: „Mein Ziel ist, im Jahresmittel 80 Prozent des Strombedarfs durch Photovoltaik zu de-cken, daran arbeite ich.“

Eine wirtschaftlich sinnvolle Lösung

Bei so viel computer- und servergestützter Überwachung, entsteht Wärme im Haus. Wie sich überhaupt auch Passivhäuser an vielen heißen Tagen in Folge aufheizen können.

Nachbarn haben Arno Kahle schon auf dieses Thema angesprochen. Er selbst wird in der oberen Etage, in der Büro und Schlafzimmer untergebracht sind, demnächst Thermostate austauschen gegen solche, mit denen die Wärmepumpe auch kühlen kann.

Offene Fenster in der Nacht zur Wärmeabfuhr oder nötigenfalls auch ein kleines Kühlaggregat für die obere Etage, gespeist aus solarem Strom, sind für ihn aber durchaus auch eine probate Lösung.

„Bei all den technischen Finessen geht es mir nicht um eine abgehobene, sondern um eine wirtschaftlich sinnvolle Lösung für unser Haus - das heißt, null Emissionen und eine weitgehend autarke Stromerzeugung mit möglichst wenig Zukauf. Wenn ich mein Wissen weitergeben kann an andere Passivhausbesitzern, die nicht so tief einsteigen wollen oder können wie ich, freut mich das.“

Anke Unverzagt, stellvertretende Leiterin der Geschäftsstelle von proKlima, ergänzt: „Mit viel Technik- und IT-Wissen betreibt Ar-no Kahle Forschung aus der Verbraucherperspektive.“

Das Messkonzept ist in Kooperation mit dem Institut für Solarenergieforschung aus Hameln (ISFH) entwickelt und wird durch proKlima gefördert. Sämtliche Wärme- und Kälteströme werden im 15-Sekunden-Intervall erhoben. Damit sind die Daten so genau, dass sie auch Herstellern bei der Entwicklung von neuen Produkten nutzen werden - die Haustechnik-Komponenten und deren Zusammenspiel können sich so verbessern, erläutert Anke Unverzagt. (MH)

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