Bausparen in der Niedrigzinsphase
Vorsorge für den Wohneigentumserwerb

LBS-Berater schafft Sicherheit und zeigt Möglichkeiten des Wohneigentumerwerbs auf. (Foto: LBS)

HuG: Lohnt sich Bausparen noch?

Ein klares Ja. Auch wer erst in einigen Jahren eine Immobilienfinanzierung plant, kann sich mit einem Bausparvertrag bestens darauf vorbereiten: Zum einen durch die Bildung von Eigenkapital. Hier können Bausparer von attraktiver staatlicher Förderung profitieren. Dazu zählen die Wohnungsbauprämie, vermögenswirksame Leistungen mit Arbeitnehmersparzulage und Wohn-Riester. Das sind Vorteile, die in dieser Form nur das Bausparen bietet. Zum anderen kann man sich mit einem Bausparvertrag das aktuelle Zinsniveau langfristig sichern. Diese Zinssicherung bis zur letzten Rate ist angesichts historisch niedriger Zinsen so wertvoll wie nie zuvor.

HuG: Dass die Zinsen deutlich steigen werden, ist derzeit nicht zu erkennen. Ist die Zinssicherung bei diesen Aussichten überflüssig?

Niemand weiß, mit welcher Dynamik sich die Zinsen in den nächsten 5 oder 10 Jahren nach oben entwickeln werden. Aus der Europäischen Zentralbank waren auch schon Stimmen zu hören, die eine Abkehr von der ultralockeren Geldpolitik zumindest mittelfristig möglich erscheinen lassen. Viele Politiker in Deutschland halten einen solchen Strategiewechsel aus einer Reihe volkswirtschaftlicher Gründe für dringend geboten. Bausparer können in jedem Fall gelassen bleiben. Denn sie haben das historisch niedrige Zinsniveau für sich fixiert und sind damit vor steigenden Zinsen geschützt.

HuG: Was bedeutet das Niedrigzinsumfeld für das Bausparsystem?

Dazu vorab: Bausparen ist schon systembedingt sehr sicher. Es beruht auf dem Kollektivgedanken. Zunächst wird gespart und so ausreichend Eigenkapital für eine solide Eigenheimfinanzierung angesammelt. Dann gibt es ein günstiges Bauspardarlehen mit festen Zinsen bis zur letzten Rate. Beide Seiten gehören untrennbar zusammen: Diejenigen, die mit ihren Sparbeiträgen ins Bausparkollektiv einzahlen, und diejenigen, die aus diesen Mitteln ein Darlehen erhalten. Zusammen bilden sie die Gemeinschaft der Bausparer. Bausparen steht für einen gesunden Eigenkapitalanteil und langfristige Zinssicherung. Es trägt dazu bei, dass Immobilienfinanzierungen in Deutschland ein viel geringeres Ausfallrisiko haben als in vielen anderen Ländern der Welt, die vom Platzen gigantischer "Immobilienpreisblasen" erschüttert wurden.

Gleichzeitig gibt es aber auch Bausparer, die nicht mehr an einem Bauspardarlehen interessiert sind, sondern so lange wie möglich von der für heutige Verhältnisse hohen Guthabenverzinsung ihrer alten Verträge profitieren möchten - auch weil in dieser un- natürlichen Zinssituation Anlage-Alternativen fehlen. Das ist aus Sicht dieser Kunden verständlich, widerspricht aber dem Kerngedanken des Bausparens - dem Sparen in der Gemeinschaft zur Erreichung eines zinsgünstigen Darlehens.

HuG: Wie reagieren Bausparkassen auf diese Ausnahmesituation?

Die Bausparkassen müssen hier gegensteuern. Sie haben dafür zu sorgen, dass das Gleichgewicht zwischen Spar- und Darlehensseite im Bausparsystem auch bei extrem niedrigen Zinsen gewährleistet bleibt. Zu diesem Zweck bieten sie Kunden mit älteren Verträgen Alternativen an, denn ein Bausparvertrag ist keine zeitlich unbegrenzte Kapitalanlage. Vielmehr trägt die Bausparkasse dafür Verantwortung, dass in einer Gesamtschau die Vorteile des Produktes Bausparvertrag erhalten bleiben.

HuG: Welche Lösungen gibt es für Kunden mit älteren Verträgen?

Je nach Bedarf gibt es unterschiedliche Angebote, um zu einer für den Kunden sinnvollen Lösung zu kommen. Dazu zählt der Umstieg in andere Tarife mit niedrigeren Darlehenszinsen, aber auch Vorfinanzierungen, mit denen sich Zinssicherheit über einen langen Zeitraum zu attraktiven Konditionen realisieren lässt.

HuG: Wie flexibel sind Bausparverträge?

Bausparer haben viele Wahlmöglichkeiten. So können sie zum Beispiel mit Zustimmung der Bausparkasse von der Regelsparrate abweichen. Sie können sofort bei Erreichen der Zuteilungsreife ihr Darlehen in Anspruch nehmen oder später. Und sie können ihr Bauspardarlehen durch außerplanmäßige Tilgungen jederzeit schneller zurückzahlen - kostenfrei!

HuG: Wie wirkt sich die staatliche Förderung aus, wenn die Zinsen so niedrig sind?

Gerade angesichts der niedrigen Sparzinsen wirkt sich die staatliche Förderung besonders stark aus: Als effektive Starthilfe vor allem für die jungen Sparer gibt es die Wohnungsbauprämie sowie die Arbeitnehmersparzulage. Bei beiden Förderungen legt der Staat etwa 9 Prozent auf die jährlich eingezahlten Sparbeiträge drauf. Die Perspektive für die Förderung ist auch erfreulich: Die Große Koalition will die Wohnungsbauprämie als Instrument zum frühzeitigen Aufbau von Eigenkapital attraktiver gestalten.

So ist im Koalitionsvertrag die Rede von einer Anpassung der Einkommensgrenzen an die allgemeine Einkommens- und Preisentwicklung und einem erhöhten Prämiensatz. Ein richtiger Schritt für die Vorsorge zum Wohneigentumserwerb. Neben dem großen Stellenwert von langfristiger Zinssicherung, betont auch die Zeitschrift „Finanztest“ in ihrer Ausgabe vom März 2018 wieder die Attraktivität der Bausparförderung: „Prämien und Zulagen machen das Bausparen interessant.“

HuG: Kann Bausparen einen Beitrag zur Vermögensbildung und privaten Altersvorsorge leisten?

Besonders für junge Familien ist das Baukindergeld in der Planung. Dieses Vorhaben der Großen Koalition im Bereich der Wohneigentumsförderung ist für Ersterwerber gedacht. Egal, ob Neubau oder Bestand: Die Förderung in Höhe von 1.200 Euro je Kind und pro Jahr soll es über einen Zeitraum von 10 Jahren geben, wobei eine Einkommensgrenze von 75.000 Euro pro Jahr (plus 15.000 Euro pro Kind) zu versteuerndem Haushaltseinkommen gelten soll.

Diskutiert wird auch, ob Ersterwerber bei der Grunderwerbsteuer entlastet werden sollen. Für die private Altersvorsorge ist die Wohnriester-Förderung oder auch Eigenheimrente gedacht. Sie ist die einzige private Altersvorsorge, die sofort genutzt werden kann. Riester-geförderte Bausparverträge können sofort in Neubaufinanzierungen eingebaut werden.

Die Förderung ist einkommensunabhängig und erstreckt sich über den gesamten Finanzierungszeitraum. Dieser läuft im optimalen Fall bis zum gesetzlichen Renteneintritt. Vor allem Familien können hier profitieren: So erhält beispielsweise eine Familie mit 2 Kindern im Alter von einem und 4 Jahren jährlich bis zu 950 Euro Wohn-Riester-Förderung, die direkt in die Finanzierung einfließt.

Weitere Informationen erhalten Sie hier.