Neue Verordnung nimmt Betreiber stärker in die Pflicht
Wer einen Aufzug betreibt, muss diesen regelmäßig prüfen lassen

Rund 20 Prozent aller Aufzüge in Deutschland werden nach Einschätzung des TÜV nicht regelmäßig geprüft.

Auch wenn das nicht unbedingt bedeuten muss, dass diese Aufzüge unsicher sind, kann über den technischen Zustand dieser Anlagen eigentlich keine verbindliche Aussage getroffen werden.

Nicht ganz von der Hand zu weisen ist je-doch die Vermutung, dass derjenige, der seinen Prüfpflichten nicht nachkommt, es vielleicht auch mit Wartung und Reparaturen nicht ganz so genau nimmt.

Prüfplakette ist Pflicht

Noch bis vor Kurzem bestand für die Benutzer von Aufzügen keine Möglichkeit, bereits beim Betreten eines solchen zu erkennen, ob die Anlage regelmäßig gewartet und geprüft wird.

Das ist nun anders: An jedem Aufzug muss jetzt die Prüfplakette der ZÜS gut sichtbar angebracht sein. Auf dieser kann man (ähnlich wie bei der Plakette am Auto) sehen, wann die nächste Prüfung des Aufzugs ansteht. Mit dieser neuen Vorschrift ist der Gesetzgeber nun endlich einer schon oft in der Branche geforderten Kennzeichnungspflicht nachgekommen.

Festgeschrieben ist diese neue Vorschrift - und generell die Prüfpflicht für Aufzüge in Deutschland - in der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV). Auf 51 Seiten regelt die Vorschrift unter anderem, was beim Betrieb von überwachungsbedürftigen Anlagen zu beachten ist.

Darunter fallen alle Aufzüge, mit denen Personen befördert werden: Lastenaufzüge, Bauaufzüge und selbstredend Personenaufzüge. Insbesondere was die Prüfpflichten anbelangt, wurden die Vorschriften mit der Novellierung der Verordnung 2015 verschärft.

Prüfung für neue Anlagen

Das beginnt schon, wenn man einen neuen Aufzug in Betrieb nehmen will: Vor der Novellierung war es möglich, die neue Anlage zu nutzen, sobald sie in Verkehr gebracht, d.h. entsprechend den gültigen Normen und Vorschriften betriebsbereit vom Montagebetrieb übergeben wurde.

Heute darf der Aufzug erst eingeschaltet werden, wenn die Anlage vor der Inbetriebnahme von der ZÜS geprüft wurde. Auch wenn Aufzugsfirmen, wie Schindler, die Koordinierung und Abwicklung der Prüftermine im Auftrag des Kunden übernehmen - die Verantwortung liegt hierfür in der Hand des Betreibers.

Betreiber sind Arbeitgeber

In keinem Fall sollte man das auf die leichte Schulter nehmen: Erhöhte Haftungsrisiken und Bußgelder drohen, da laut BetrSichV alle Aufzüge wie Arbeitsmittel behandelt und die Betreiber Arbeitgebern gleichgestellt werden.

Daher ist jeder Betreiber jetzt gut beraten, eine Beurteilung der Gefährdungen seiner Anlagen erstellen zu lassen und mit dem Service-Unternehmen gemeinsam zu definieren, was notwendig ist, damit die gesetzlichen Auflagen erfüllt und die Sicherheit der Nutzer gewährleistet ist.

Jedes Jahr wird geprüft

In der BetrSichV ist auch geregelt, dass Aufzüge regelmäßig durch eine zugelassene Überwachungsstelle (ZÜS) geprüft werden müssen. Die Prüffristen legt der Betreiber mit dem Wartungsunternehmen gemeinsam fest. Dabei sind vor allem Art, Alter, Nutzung und Zustand der Anlagen ausschlaggebend. Die Höchstfrist von 2 Jahren zwischen zwei Hauptprüfungen darf dabei allerdings nicht überschritten werden. Dazwischen sieht die BetrSichV jeweils Zwischenprüfungen vor.

Die Frist für die spätestens alle 2 Jahre anstehende, wiederkehrende Prüfung kann jedoch verkürzt werden, wenn die Anlage in einem schlechten Zustand ist. Damit drohen häufigere Prüfungen und höhere Kosten.

Delegieren von Betreiberpflichten

Aufzugsunternehmen, wie beispielsweise Schindler, unterstützen im Rahmen ihrer Wartungsverträge die Betreiber auch bei der Erfüllung ihrer Prüfpflichten.

Mit dem Servicemodul „Prüfung plus“ übernimmt das Unternehmen dabei einen Teil der Betreiberpflichten - von der Koordination der Prüftermine, über die Dokumentation, bis zur Gefährdungsbeurteilung beim Abgleich des Anlagenzustands mit dem aktuellen Stand der Technik - und das für die Anlagen aller Hersteller. Dabei entscheidet der Betreiber selbst, welche Pflichten und Ausgaben er an das Service-Unternehmen delegiert und um was er sich selbst kümmern will.

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