„Wohnatlas 2016 - Leben in der Stadt“ - Erstbezug in Boom-Städten noch günstig
Wo es in Deutschland tatsächlich die meisten Neubauwohnungen gibt

„Grundstück zu verkaufen“ - Schilder mit dieser Offerte haben mittlerweile Seltenheitswert, da die Bauland-Nachfrage schon lange das Angebot übersteigt.

Auch unter Berücksichtigung des Abrisses von altem Wohnbestand, ist der Zuwachs an Wohnungen insgesamt - der sogenannte „Netto-Neubau“ - in Münster, Potsdam und München mit 10 bis 13 Prozent am größten.

In den ostdeutschen Städten Erfurt, Halle (Saale) und Chemnitz wurden dagegen deutlich mehr Wohnungen abgerissen als neu gebaut. Das heißt im Ergebnis, dass trotz eines Neubauanteils von 3,5 bis 7 Prozent im Vergleich zum Bestand im Jahr 2000 heute insgesamt weniger Wohnungen zur Verfügung stehen als noch vor 15 Jahren.

Die Erklärung: In ostdeutschen Regionen wird durch Neubauprojekte eine qualitative Diskrepanz beseitigt. Eigentlich sind ausreichend Wohnungen vorhanden, diese genügen jedoch den heutigen Ansprüchen an den Wohnkomfort oftmals nicht mehr. Abriss und Neubau sind in vielen Fällen günstiger als aufwändige Sanierungen.

„In Städten mit hohem Preisniveau sind in den letzten Jahren besonders viele Neubauwohnungen entstanden”, sagt Dieter Pfeiffenberger, Bereichsvorstand Immobilienfinanzierung bei der Postbank.

„Gerade in diesen Boom-Städten lohnt es sich aber für Kaufinteressierte, gezielt Neubauwohnungen ins Visier zu nehmen, da diese im Vergleich zu Bestandswohnungen noch vergleichsweise günstig sind”.

So zeigt der Städtevergleich, dass ein um 10 Prozent höheres Preisniveau bei Bestandswohnungen nur durchschnittlich 7 Prozent höhere Preise bei Neubauwohnungen bedeuten.

„Unter den Bestandswohnungen treiben Objekte mit exklusiver Lage die Preise hoch”, so Pfeiffenberger.

Durch den Abriss und die Nachverdichtung entstehen aber vielerorts auch Neubauprojekte in attraktiver Umgebung.

Wie viel eine Neubauwohnung in einer Stadt am Ende kostet, wird dabei ganz wesentlich durch den jeweiligen Baulandpreis bestimmt.

Aus den Berechnungen der Postbank-Studie geht hervor, dass eine Zunahme des Baulandpreises um 10 Prozent zu einem Plus von 3,4 Prozent beim Quadratmeterpreis für Neubauwohnungen führt.

Ein Blick in die nahe Zukunft zeigt, dass in Hamburg, Stuttgart, Wiesbaden, Berlin sowie München der prozentual größte Bedarf an neuen Wohnungen besteht.

Da in diesen Städten in der Vergangenheit relativ wenig neu gebaut wurde, herrscht dort heute schon akuter Wohnungsmangel.

Am niedrigsten ist die aktuelle Wohnungsversorgungsquote in Hamburg, wo für 100 Haushalte nur 92 Wohnungen zur Verfügung stehen. In Stuttgart und Berlin sind dies 93 bzw. 94 Wohnungen.

Unter Berücksichtigung des prognostizierten Zuzugs von Flüchtlingen, benötigen diese Städte bis 2030 zwischen 15 und 20 Prozent mehr Wohnungen als dort jetzt zur Verfügung stehen.

Vor allem Stuttgart, Wiesbaden und Berlin müssen ihre Bautätigkeit deutlich steigern, da sie ihren Bestand in den vergangenen 15 Jahren um weniger als 5 Prozent ausgebaut haben.

Hamburg liegt mit 6 Prozent nur geringfügig darüber. Auch Karlsruhe, Potsdam, Bremen, Bonn, Aachen und Köln müssen ihr Wohnungsangebot um mehr als 10 Prozent steigern.

„Städte mit wachsendem Wohnungsbedarf sollte man im Hinblick auf Neubauprojekte im Auge behalten. Sie bieten große Chancen auf Wertsteigerung”, so Postbank-Experte Dieter Pfeiffenberger.

Die Postbank-Studie „Wohnatlas 2016 - Leben in der Stadt” wurde unter der Leitung von Michael Bräuninger, Professor an der Helmut-Schmidt-Universität und Experte für Economic Trends Research, durchgeführt.

Analysiert wurden die 30 größten deutschen Städte sowie 6 Städte, die jeweils die größten eines Bundeslandes sind und nicht zu den Top 30 gehören. Im Fokus der vorliegenden Analyse steht die Entwicklung des Wohnungsbestands sowie des Wohnungsbedarfs.

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