Ziel: Eigentumsquote von 50 Prozent bis 2020
„Wohneigentum statt Miete“ - neue Wohnungsoffensive

Für die ältere Generation hat der Besitz der eigenen 4 Wände noch immer eine sehr hohe Bedeutung. Fotos: LBS

Doch selbst dann würde Deutschland im Europa-Vergleich der Wohneigentümer immer noch zu den Schlusslichtern gehören und nach derzeitigem Stand lediglich den drittletzten Platz belegen.

Das Bündnis startete deshalb die Offensive „Wohneigentum statt Miete“, auch um die angespannte Wohnungsmärkte zu entlasten. Dabei stellte das Pestel-Institut eine neue Studie mit dem Titel vor: „Eigentumsbildung 2.0“.

Diese Untersuchung der Wissenschaftler aus Hannover ergab, dass insbesondere den 25- bis 45-Jährigen immer seltener die Wohnung, in der sie leben, auch gehört - rund 70 Prozent von ihnen seien Mieter.

Die jüngste Eigentumsquote in dieser für den Wohnungskauf und Hausbau eigentlich typischen Altersgruppe sei in den vergangen Jahren deutlich zurückgegangen. „Dabei ist das private Wohneigentum ein wichtiger Baustein der Altersvorsorge. Die eigene Wohnung sei die einzige Alterssicherung, die unabhängig von jeder Schwankung bei der Rentenhöhe im Alter verzehrt werden kann.

Da die Qualität und Langlebigkeit bundesweiter Immobilien keine großen Reparaturen erwarten lassen, müssten sich Rent-ner um ihre eigene Wohnung auch nicht besonders kümmern.

Sie haben damit, schlussfolgert die Studie, für die gesamte Phase ihres Ruhestands die Sicherheit, eines dauerhaften Daches über dem Kopf - ohne Angst vor Mieterhöhungen oder einer Kündigung“, sagt der Pestel-Studienleiter Matthias Günther.

Der Stellenwert, den die eigenen 4 Wände im Alter hätten, ließe sich auch daran erkennen, dass es derzeit bei den Senioren, die auf staatliche Grundsicherung im Alter angewiesen seien, kaum Wohnungseigentümer gebe.

Im Fokus der Studie stehen auch Geringverdiener. Ebenso Menschen, die in Leih- oder Zeitarbeit beschäftigt sind. Ihnen fehle häufig jede Perspektive auf Wohneigentum. Die Gründe dafür seien unter anderem die mangelnde Langfrist-Perspektive der Beschäftigung, eine oft zu geringe Bonität, ein nur geringes Eigenkapital sowie das Risiko, einer Zinsänderung. Dabei stehe das Ziel, in den eigenen 4 Wänden zu wohnen, nach wie vor ganz oben auf der Wunschliste der Deutschen.

Die Studie sieht gerade bei Haushalten mit einem Nettoeinkommen von 1.500 bis 2.500 Euro pro Monat ein großes Potenzial, den Wunsch nach Wohneigentum zu realisieren - und zwar in erster Linie durch den Kauf einer gebrauchten Eigentumswohnung.

Die Wissenschaftler des Pestel-Instituts haben dazu das Verhältnis von Kaufpreis und Mietniveau ermittelt: Dabei wurden die im IVD-Preisspiegel ausgewiesenen Preise für Eigentumswohnungen mittleren Standards in Relation zu den offiziell festgestellten lokalen Mieten für einfache Wohnungen gesetzt.

Herausgekommen ist eine Liste mit Städten, in denen es sich auch für untere Einkommensgruppen lohnt, Wohneigentum zu kaufen, statt längerfristig zu mieten.

Auf der „Wohneigentum-statt-Miete“-Liste mit den erschwinglichsten Städten stehen u.a.: Bremen, Nürnberg, Lübeck, Bochum, Darmstadt, Bamberg und Chemnitz.

Ausschlaggebend für eine deutliche Steigerung der Wohneigentumsquote ist allerdings, so das Pestel-Institut, dass Bund und Länder sich zu einer „politischen Kehrtwende pro Wohneigentum“ durchringen.

Bislang müsse sich der Staat den Vorwurf gefallen lassen, fast jedes Interesse daran verloren zu haben, die Menschen auf ihrem Weg zum Eigenheim oder zur selbst genutzten Eigentumswohnung zu unterstützen.

„Mit der Abschaffung der Eigenheimzulage wurde die Förderung von Wohneigentum in Deutschland faktisch eingestellt. Und das ist schon 10 Jahre her“, so das Institut.

Gleichzeitig profitiere der Staat aber ganz enorm, wenn es ums Bauen und den Kauf von Wohneigentum gehe: Allein im letzten Jahr nahmen die Finanzminister und Kämmerer hierbei nach Berechnungen des Instituts mindestens 8,2 Mrd. Euro an Steuern ein - von der Mehrwertsteuer, die mit 5,2 Milliarden Euro den Löwenanteil ausmachte, über die im vergangenen Jahr in gleich mehreren Bundesländern deutlich angehobene Grunderwerbsteuer, bis zur Einkommenssteuer und zum Solidaritätszuschlag.

Vor diesem Hintergrund fordert das Verbändebündnis „Wohn-Perspektive Eigentum“ Bund und Länder auf, rasch neue Rahmenbedingungen für den Erwerb von privatem Wohneigentum zu schaffen. Es richtete deshalb 5 Kernforderungen an die Politik:

  1. Schwellenhaushalte sollen beim Eigenkapital durch Zuschüsse unterstützt werden. Zudem muss es eine deutliche Ausweitung der Wohneigentumsprogramme der KfW geben - mit einer Erhöhung des individuellen Kreditvolumens und einer langfristigen Zinsbindung.

  2. Kein Überdrehen mehr der Auflagen für die Immobilienfinanzierung: Die bestehende Wohnimmobilien-Kreditrichtlinie muss entschärft werden. Das angekündigte Gesetz gegen eine mögliche Überhitzung des deutschen Immobilienmarktes darf die Wohneigentumsbildung nicht ausbremsen.

  3. Eine bundesweite Absenkung der Grunderwerbsteuer und Freibeträge beim Erwerb einer selbst genutzten Wohnung.

  4. Förderung der Infrastruktur in Ballungsräumen mit einem akzeptablen Preis-Leistungsverhältnis - die „Speckgürtel-Anbindung“ soll so gesichert werden.

  5. Eine Bauland-Offensive für Wohneigentum: Insbesondere Kommunen sollen ihre Grundstücksreserven mobilisieren.

Zum Verbändebündnis „Wohn-Perspektive Eigentum“ haben sich die Bundesarchitektenkammer, der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel, der Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen, die Deutsche Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau, der Immobilienverband Deutschland und der Verband Privater Bauherren vereint.

Gemeinsam haben sie das Pestel-Institut mit der Studie „Eigentumsbildung 2.0 - Wie kann Wohneigentum die Mietwohnungsmärkte entlasten“ beauftragt und jetzt deren Ergebnisse ausgewertet und die politisch notwendigen Schlussfolgerungen gezogen.

Die neue Pestel-Studie steht allen Interessierten im Internet zum Download bereit: www.impulse-fuer-den-wohnungsbau.de

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