Rekordeinnahmen durch Grunderwerbsteuer
Wohneigentum wird für immer mehr Menschen unbezahlbar

Die steigenden Steuersätze der Länder im Bereich der Grunderwerbsteuer erschweren die Schaffung von privatem Wohneigentum. (Foto: BHW / Bien-Zenker)

Andreas Ibel, Präsident des BFW-Bundesverbandes Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen, warnt: „Der Erwerb von Wohneigentum und die Bildung einer Altersvorsorge ist durch diese Steuerspirale für viele Menschen nicht mehr möglich“, so Ibel. „Die Schmerzgrenze für die Mittelschicht ist mehr als erreicht. Das im Sondierungspapier festgehaltene Vorhaben von Union und SPD, den Erwerb von Wohneigentum zu fördern, wird durch diesen Erhöhungswettlauf schon von vornherein ad absurdum geführt.“

Die Steuer, die bei jedem einzelnen Immobilienkauf im Neubau oder Bestand anfällt, wird seit der Föderalismus-Reform (2006) durch die einzelnen Bundesländer festgelegt. Seitdem wurde sie von den Ländern insgesamt 27 mal erhöht. „Angesichts des riesigen Mangels an bezahlbarem Wohnraum kann es nicht sein, dass Länder und Kommunen versuchen, über immer höhere Grunderwerbsteuern ihre Haushaltslöcher zu schließen“, sagt Ibel und fordert: „Die Grunderwerbsteuer muss bundesweit endlich wieder auf ein investitionsfreundliches Niveau gesenkt werden!“

Schon in den 80-zigern stellte eine Steuerreformkommission fest, dass ein Satz von maximal 2 bis 3 Prozent gesamtwirtschaftlich vertretbar ist, so Ibel weiter. Neben der Grunderwerbsteuer müssen Immobilienkäufer Notarkosten von 2 Prozent und Maklergebühren von bis zu 7,14 Prozent zahlen. Bei einem Höchstsatz von 6,5 Prozent, der in Saarland, Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und ab 2017 auch in Thüringen gilt, fallen damit rund 15,6 Prozent der Kaufkosten zusätzlich an Erwerbsnebenkosten an. Bei einem 400.000-Euro-Objekt entspricht dies einer Summe von 62.560 Euro.

Hintergrund

Die Grunderwerbsteuer (GrESt) fällt beim Erwerb eines Grundstücks an. Sie wird auf Grundlage des Grunderwerbsteuergesetzes erhoben und steht den Bundesländern zu, die diese an die Kommunen weiterrei- chen können. Die Bundesländer haben zudem die Befugnis zur Bestimmung des Grunderwerbsteuersatzes. Fast alle Bundesländer haben die Grunderwerbsteuer in den letzten Jahren erhöht. Der herkömmliche Satz von 3,5 Prozent gilt nur noch in Bayern und Sachsen.

Aktuell liegt die Grunderwerbsteuer in Hamburg bei 4 Prozent und in Baden-Württemberg, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt bei 5 Prozent. In Berlin und Hessen fallen 6 Prozent an, in Saarland, Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und nun auch in Thüringen beträgt der Spitzensatz 6,5 Prozent.

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