2017 - ein Jahr mit Licht und Schatten
Zahlreiche Änderungen bei Steuern und Abgaben

Das neue Jahr bringt zahlreiche Änderungen in der Renten- und Pflegeversicherung mit sich. Auch Immobilieneigentümer sehen sich mit neuen Herausforderungen konfrontiert. (Fotos (2): BHW Bausparkasse)

Für Familien hat die Bundesregierung im kommenden Jahr ein paar kleine Erleichterungen geplant: So steigen das Kindergeld und die Hartz IV-Leistungen um einige Euro. Schlechte Nachrichten hingegen für Immobilienbesitzer - die Grunderwerbsteuer steigt - je nach Bundesland - weiter an.

Entlastung bei der Einkommensteuer

Grundfreibetrag: Die Bundesregierung möchte Steuerzahler im kommenden Jahr um insgesamt 6,3 Milliarden Euro entlasten. Eine zentrale Maßnahme dabei ist die Anhebung des steuerlichen Grundfreibetrags. Dies ist der Betrag, bis zu dem Einkünfte - gleich welcher Art - von Steuern verschont bleiben. Ab Januar 2017 steigt der Grundfreibetrag um 170 Euro auf 8.822 Euro für Ledige bzw. auf 17.644 Euro für Verheiratete. 2018 ist eine weitere Erhöhung um 200 Euro pro Person geplant. Steuerprogression: Zusätzliche Entlastung winkt durch die Entschärfung der Steuerkurve. Dazu werden die Eckwerte des Einkommensteuertarifs nach oben verschoben. Für 2017 ist eine Anhebung um 0,73 Prozent geplant, für 2018 um 1,65 Prozent. Durch die-se Maßnahme fällt die Steuerprogression etwas schwächer aus und höhere Steuersätze greifen später. Ziel ist es, dass von künftigen Lohnsteigerungen mehr für die Beschäftigten übrig bleibt.

Kindergeld und Kinderfreibetrag: Für Eltern hat der Finanzminister nächstes Jahr nur eine geringe Entlastung parat: Der Kinderfreibetrag steigt ab Januar von 4.608 Euro auf 4.716 Euro. Ab 2018 sollen weitere 72 Euro hinzukommen. Der Freibetrag greift bei gut verdienenden Eltern, wenn die Steuerentlastung durch den Kinderfreibetrag höher ist als das erhaltene Kindergeld.

Damit aber Eltern mit geringem bzw. durchschnittlichem Einkommen nicht leer ausgehen, wird das Kindergeld um 2 Euro pro Kind angehoben. Für das erste und zweite Kind gibt es dann 192 Euro, für das dritte 198 Euro und für jedes weitere 223 Euro.

Steueränderungen auf einen Blick

Steuererklärung: Im neuen Jahr bleibt länger Zeit für die Steuererklärung. Die Steuerformulare müssen erst 2 Monate später als bislang beim Finanzamt eingehen. Das bedeutet: Für die private Steuererklärung 2016 ist Abgabeschluss am 31. Juli 2017. Erledigt ein Steuerberater die Erklärung, gilt der 28. Februar 2018 als Endtermin.

Aber Achtung: Mit der Fristverlängerung erhöhen sich die Verspätungszuschläge. Deshalb ist es besser, den Abgabetermin nicht zu verpassen. Eine Erleichterung winkt Steuerzahlern in Sachen Belegen: Künftig muss man diese nicht mehr automatisch ans Finanzamt schicken, sondern nur noch auf Anforderung durch die Behörde.

Grunderwerbsteuer: Zur Sanierung ihrer Haushalte erhöhen die Bundesländer regelmäßig die Grunderwerbsteuer. Von bundesweit 3,5 Prozent im Jahr 2006 ist die Steuer inzwischen in zahlreichen Bundesländern bis auf 6,5 Prozent geklettert. Ab Januar 2017 kommt das nächste Bundesland dazu: Thüringen wird dann eben-falls 6,5 Prozent Grunderwerbsteuer berechnen. Für ein Haus über 500.000 Euro kassiert das Finanzamt dann 32.500 Euro Grunderwerbsteuer. Lediglich Bayern und Sachsen begnügen sich noch mit dem einem Steuersatz von 3,5 Prozent.

Umzugspauschalen: Wer beruflich umzieht, der kann die anfallenden Kosten pauschal oder einzeln aufgelistet steuerlich absetzen. Das Finanzamt akzeptiert den Wohnungswechsel steuermindernd, wenn sich die tägliche Gesamtfahrtzeit um mind. eine Stunde verkürzt. Halten sich die Kosten für einen Umzug allerdings im Rahmen, lohnt der pauschale Ansatz. Ab Februar 2017 stehen dafür höhere Beträge bereit: Die Umzugspauschalen steigen dann für Verheiratete von 1.493 Euro auf 1.528 Euro. Ledige genießen den halben Betrag. Für jedes weitere zum Haushalt gehörende Kind oder andere Personen erhöht sich die Pauschale um 337 Euro.

Spenden: Um Spenden als Sonderausgabe absetzen zu können, verlangt das Finanzamt eine Zuwendungsbestätigung oder einen Spendennachweis. Lediglich bei Kleinspenden unter 200 Euro genügt ein vereinfachter Nachweis - zum Beispiel ein einfacher privater Überweisungsbeleg. Im neuen Jahr wird es dann noch einfacher: Man braucht Spendennachweise nur noch einzureichen, wenn das Finanzamt Belege fordert.

Die Belege können bis zum Ablauf eines Jahres ab Bekanntgabe des Steuerbescheids verlangt werden. Alternativ ist es möglich, den Spendenempfänger zu bevollmächtigen, den Spendennachweis elektronisch ans Finanzamt zu übertragen. Dann braucht man die Zuwendungsbestätigung auch nicht mehr aufbewahren.

Sozialleistungen und Sozialabgaben

Gesetzliche Rentenversicherung: Höhere Beitragsbemessungsgrenzen in der Renten- und Arbeitslosenversicherung belasten ab Januar 2017 Arbeitnehmer mit hohem Einkommen. In den alten Bundesländern klettert die Grenze, bis zu der Pflichtbeiträge anfallen, von 6.200 Euro auf 6.350 Euro brutto im Monat. Wer über der Beitragsbemessungsgrenze verdient, der zahlt dann 14 Euro mehr im Monat. In den neuen Bundesländern steigt der Satz gleich um 300 Euro, und zwar von 5.400 auf 5.700 Euro brutto pro Monat. Gut verdienende Beschäftigte im Osten Deutschlands müssen dann mit einer Beitragssteigerung um 28 Euro rechnen. Die gleiche Summe steuert der Arbeitgeber bei.

Gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung: Auch hier wird die Beitragsbemessung angehoben. Das Limit steigt von 4.237,50 Euro auf 4.350 Euro brutto pro Monat. Das entspricht einem Einkommen von 52.200 Euro/Jahr. Für gut verdienende Beitragszahler bedeutet das eine Mehrbelastung von 9,50 Euro im Monat, wenn das Gehalt die Bemessungsgrenze übersteigt. Darüber hinaus erheben fast alle gesetzlichen Krankenkassen Zusatzbeiträge, so dass der Mehraufwand noch höher ausfallen kann.

Neben der Beitragsbemessungsgrenze, gibt es die Verdienstgrenze, bis zu der Arbeitnehmer pflichtversichert in der gesetzlichen Krankenkasse sind. Diese Grenze steigt 2017 auf 4.800 Euro pro Monat. Nur wer 2 Jahre hintereinander mehr verdient, kann sich privat krankenversichern.

Gesetzliche Pflegeversicherung: Zum 1. Januar tritt die 3. Stufe des Pflegestärkungsgesetzes in Kraft. Sie bringt mehrere Neuerungen für Versicherte: Erstens werden die bisherigen 3 Pflegestufen durch 5 neue Pflegegrade ersetzt. Sie sollen vor allem Versicherten mit geistiger Beeinträchtigung besser Rechnung tragen. Geistige und körperliche Einschränkungen werden künftig gleichermaßen erfasst und in die Pflegebedürftigkeit einbezogen.

Zweitens erhöhen sich die Leistungen der Pflegeversicherung in allen Bereichen und Pflegestufen: So zahlt die Kasse jetzt für die häusliche Pflege bis zu 1.995 Euro, bislang waren es max. 1.612 Euro. Im Gegenzug müssen gesetzlich Versicherte einen Wermutstropfen schlucken: Der Beitrag zur Pflegeversicherung steigt um 0,2 Prozentpunkte auf 2,55 Prozent, Kinderlose zahlen künftig 2,8 Prozent.

Flexi-Rente: Das neue Flexi-Rentengesetz soll den Arbeitnehmern zwischen 63 und 67 Jahren durch eine bessere Kombination von Teilrente und Teilzeitarbeit einen optimalen Übergang in den Ruhestand ermöglichen. Die bislang starren Hinzuverdienstgrenzen fallen weg. Ab Januar 2017 gilt: Rentnern, die ab einem Alter von 63 Jahren mehr als 6.300 Euro pro Jahr hinzuverdienen, werden 40 Prozent des darüber liegenden Betrags von der Rente abgezogen. Die gleiche Regelung gilt auch für Erwerbsminderungsrenten. Andererseits gilt: Wer eine vorgezogene Vollrente bezieht und trotzdem weiterarbeitet, erhöht mit den Beitragszahlungen seine künftigen Rentenansprüche. Außerdem können Versicherte früher und flexibler als bisher zusätzliche Beiträge in die Rentenkasse einzahlen und so Rentenabschläge ausgleichen.

Hartz IV-Sätze: Anspruchsberechtigte Schulkinder unter 14 Jahren erhalten ab Januar mehr finanzielle Unterstützung: Der Regelsatz für Kinder zwischen 6 und 13 Jahren steigt von 270 auf 291 Euro pro Monat. Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren erhalten 5 Euro monatlich mehr. Ihnen stehen dann 311 Euro im Monat zu. Die gleiche Erhöhung gilt für ledige Erwachsene. Ehepaare bekommen dann 368 statt jetzt 364 Euro.

Private Altersvorsorge

Betriebliche Altersvorsorge: Die höheren Beitragsbemessungsgrenzen in der gesetzlichen Rentenversicherung schieben die förderfähigen Höchstgrenzen bei der betrieblichen Altersvorsorge (bAV) nach oben. So klettert der förderfähige Höchstbetrag, also der Lohnanteil, den man ohne Abzug von den Steuer- und Sozialversicherungsbeiträgen in Betriebsrente umwandeln darf, auf monatlich 254 Euro.

Eine weitere Reform wird gerade in der Politik diskutiert: So ist geplant, die bisher geltende Grenze von 4 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze der Rentenversicherung West auf 7 Prozent anzuheben. Dadurch könnte der Steuer- und Sozialabgaben begünstigte Lohnanteil künftig auf bis zu 444,50 Euro monatlich steigen.

Basis-Rente: Einzahlungen in sog. Rürup-Renten sind zu einem bestimmten Teil steuerlich abzugsfähig. Ab 2017 steigt der Maximalbetrag auf 23.632 Euro für Ledige bzw. auf 46.724 Euro für Verheiratete mit 2 Rürup-Verträgen. Davon können Versicherte 84 Prozent steuerlich geltend machen. Im Ergebnis wirken sich ab 2017 Beitragszahlungen bis zu 19.624 bzw. 39.248 Euro steuermindernd aus. Ab 2025 sind 100 Prozent der Einzahlungen absetzbar.

Lebensversicherung: Vorsorgesparer, die ab 2017 eine klassische Lebens- oder Rentenversicherung abschließen wollen, müssen Abstriche in Kauf nehmen. Grund: Die Garantieverzinsung sinkt von 1,25 Prozent auf 0,9 Prozent. Das heißt aber nicht, dass der Gesamtertrag am Ende zwingend schlechter ausfällt. Die Ablaufleistungen der Policen sind nämlich vom sinkenden Garantiezins nur bedingt betroffen. Grund: Zu den garantierten Leistungen addieren sich die erwirtschafteten Überschüsse der Versicherer. Um die Erträge stabil zu halten, haben die Gesellschaften in den letzten Jahren die Beteiligung der Versicherten an den Risikoüberschüssen bis auf 90 Prozent angehoben. Positiv: Auf bestehende Versicherungsverträge hat die Absenkung des Garantiezinses keinen Einfluss.

Allgemeine Gesetzesänderungen

Rauchmelderpflicht: Ab 2017 müssen sowohl Altbauten als auch Neubauten in Nordrhein-Westfalen und Saarland mit Rauchmeldern ausgestattet sein. Zudem führt Berlin zum 1. Januar eine Rauchmelderpflicht für Neubauten ein. Wichtig: Eigentümer und Vermieter, die der Pflicht zur Installation von Rauchmeldern nicht nachkommen, begehen nicht nur eine Ordnungswidrigkeit, sondern gefährden unter Umständen auch den Schutz ihrer Hausrat- oder Gebäudeversicherung. Das neue Jahr bringt für viele Arbeiter, Angestellte und Beamte einen zusätzlichen Feiertag: Am 31. Oktober 2017 jährt sich zum 500. Mal der „Thesenanschlag“ Martin Luthers an der Schlosskirche zu Wittenberg, mit dem der Reformator die Umgestaltung der Kirche einleitete. Das Jubiläum wurde von der Bundesregierung ausnahmsweise zum bundesweiten Feiertag erklärt, was vor allem die katholischen Bundesländer im Westen der Republik freuen dürfte. Diese Ausnahme ist nur auf das Jahr 2017 beschränkt.